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Akademikerball: Total/itär/e Symmetrie


Zum „Akademikerball“ in der Wiener Hofburg und den Demonstrationen dagegen, die schließlich in Ausschreitungen und Gewalt mündeten, ist schon viel geschrieben worden. Zwei Texte bringen den inneren Zusammenhang von Ball und Demonstration aber so schön auf den Punkt, dass ich sie trotzdem verlinken will. Ein dritter weist auf die Grundrechtsdimension hin.

Michael Fleischhacker analysiert das „Analysepatt“, das „für die Ähnlichkeit der Logiken, die in- und außerhalb der Hofburg-Ballsäle ihre Wirkung entfalten“ steht. Bissig resümiert er: „Wenn es Gesinnungen, die wir ablehnen, nicht gäbe, wenn Menschen, die diese Gesinnungen haben, sie nur noch dort äußern dürften, wo wir es ihnen erlauben, das wäre tatsächlich das Einfachste.“ Womit er die Intention der Demonstranten und manch anderer ganz gut eingefangen hat

Alexander Purger wendet dagegen in den Salzburger Nachrichten einen simplen Trick an: Er vertauscht die Rollen, berichtet über den „Akademikerball der Wiener Grünen“, gegen den eine Plattform „No WGR“ mobil mache, eine vermeintlich überparteiliche Plattform, hinter der die FPÖ-Jugend stecken würde. Die Groteskerie der Situation wird von Purger dadurch fein herausgearbeitet. Etwa, wenn er die Grüne Aufregung über den Polizeieinsatz in der Umdrehung der Rollen so zusammenfasst: „Es habe sich um eine völlig friedliche Demonstration gehandelt. Schuld seien die Polizeigewalt und die Sperrzone gewesen. Hätte man die Demonstranten mit ihren Wurfgeschossen näher an die Ballgäste herangelassen, wäre es zu gar keiner Eskalation gekommen, erklärte die FPÖ.“

Dass nun sogar Peter Pilz der Grünen Parteijugend zu rechts ist und zwischendurch als nicht willkommene Person bezeichnet wurde, Slogans wie „Unseren Hass könnt ihr haben“ und Hatz auf echte und vermeintliche Burschenschafter in der Wiener Innenstadt haben hinreichend gezeigt, dass die Protestplattform selbst so radikal ist, dass sie überhaupt keine Legitimation hat, sich über Radikale, die in der Hofburg ein Fest feiern, zu beschweren. Nebenbei ist wohl genauso jeder Burschenschafter ein übler Rechtsradikaler wie jeder Grüne ein eingefleischter Marxist ist. Die Abgrenzung erfolgt oft höchstens wiederwillig, aber der Generalverdacht ist unstatthaft.

Schade, dass die Katholische Jugend und andere Organisationen wie so oft entweder aus Naivität, aus Dummheit oder eigener Engstirnigkeit das Feigenblatt für die Demonstranten abgegeben haben, die sich so als Vertreter einer nebulosen „Zivilgesellschaft“ gerieren konnten.

Zuletzt noch ein Hinweis auf vienna.at, wo Andreas Unterberger zurecht betont, dass es mittlerweile in der Ball-Diskussion um die Erhaltung von Grundrechten geht. Nämlich des Rechts auf Versammlungsfreiheit für beide Seiten (!). Es ist nämlich unerträglich, wenn Gruppen versuchen, durch gezielte Gewalt und Provozieren von Polizeieinsätzen andere Gruppen daran zu hindern, ihre Veranstaltungen durchzuführen.

Wie Unterberger schreibt: „Versammlungsfreiheit darf nicht dazu benutzt werden, um die Versammlung eines anderen zu stören. Die Freiheit des einen endet immer an der Freiheit des anderen. Das heißt: Die Grünen und ihre Sympathisanten haben das Recht auf (friedlich bleibende!) Demonstrationen rund ums Jahr, und auch zum Zeitpunkt des Balls an jedem anderen Ort. Aber es ist selbstverständliche Pflicht der Polizei, eine ordnungsgemäß gemeldete Veranstaltung vor Störungen zu schützen. […] Ich kann es voll verstehen, dass jemandem andere Menschen, etwa die Besucher eines Balls, unsympathisch sind (schließlich ist auch mir vieles unsympathisch). Aber deswegen etwas verhindern, etwas unterbinden zu wollen, ist eindeutiges Zeichen einer totalitären Gesinnung.“

Nihil addere possum.

5 thoughts on “Akademikerball: Total/itär/e Symmetrie

  1. Für den totalitären Antifaschismus zu sein ist so radikal wie gegen Rassismus und Krieg einzutreten. Wem das zu weit geht, der muss an die Opfer des Faschismus denken.

    • Es gibt Antifaschismus und Antifaschismus: Die einen verstehen sich als Demokraten, die gegen jeden Totalitarismus sind, aber angesichts der österreichischen Geschichte besonders ein Wiederaufleben des Nationalsozialismus verhindern wollen. Die anderen verwenden Antifaschismus als Kampfbegriff, wie es seit der Zwischenkriegszeit Kommunisten und andere Teilen der antidemokratischen Linken getan haben; das richtet sich z.B. auch gegen die „postfaschistische BRD“, gegen das „kapitalistische System“ etc. Wenn wir von NoWKR sprechen, dann sicher über letztere, nicht über erstere. Und so gesehen gibt es einen „totalitären Antifaschismus“: Nämlich den, der selbst antidemokratische Züge trägt.

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