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„Kinder Gottes verstecken sich nicht“


Ad Limina Besuch 2014 der österreichischen Bischöfe - Gruppenbild

Ad Limina Besuch 2014 der österreichischen Bischöfe – Gruppenbild

Papst Franziskus und seine Mitarbeiter haben sich auf den — routinemäßigen – Ad-Limina-Besuch der österreichischen Bischöfe gut vorbereitet. In den Texten wird deutlich auf die Probleme der österreichischen Kirche eingegangen, aber auch ihre positive Arbeit gewürdigt. Davon kann man sich etwa beim Lesen der Rede an die Bischöfe überzeugen, die Radio Vatikan im Wortlaut veröffentlicht hat. Dabei hat er der österreichischen Kirche auch recht konkrete Arbeitsaufträge mitgegeben, gleichsam eine „Road Map“, wie Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn es bezeichnet hat.

Franziskus hat dabei viele Themen angesprochen, von der Bedeutung der Familie als Keimzelle des Glaubens, auch von der Brüchigkeit der Beziehungen und ihrer pastoralen Herausforderung. Nicht nur in der Familie, auch im Priesterstand, wo manche sich nicht mehr im Stande sehen, ihre Gelübde zu erfüllen. Das Problem der verwaltenden, defensiven, mit dem Staate eng verflochtenen Kirche in Österreich ist in Rom den Worten zu schließen ebenfalls gut bekannt.

Ein Thema, das den Papst aber besonders beschäftigt, ist der doppelte Klerikalismus, wie er es beispielsweise schon am Weltjugendtag angesprochen hat. Der eine, der den Priester zum Mittel- und Höhepunkt der Gemeinschaft macht, ihm alle Entscheidungsgewalt, aber damit auch alle Aufgaben aufbürdet; der andere, der wiederum die Laien klerikalisieren will und aus dem sakramentalen Amt ein Objekt temporärer Selbstverwirklichung machen will. Franziskus betont dagegen die Balance zwischen dem sakramentalen Amt und der Fülle an Aufgaben, zu denen alle Gläubigen gerufen sind:

Ausgehend von der Familie, der Hauskirche, wenden wir uns kurz der Pfarrei zu, dem großen Feld, welches der Herr uns anvertraut hat, um es mit unserer seelsorglichen Arbeit fruchtbar zu machen. Die Priester, die Pfarrer sollten sich immer wieder bewusst machen, dass ihre Leitungsaufgabe ein zutiefst geistlicher Dienst ist. Es ist immer der Pfarrer, der die Pfarrgemeinde leitet, wobei er zugleich auf die Unterstützung und den wertvollen Beitrag verschiedener Mitarbeiter und aller Gläubigen zählt. Wir sollten nicht Gefahr laufen, den sakramentalen Dienst des Priesters zu verdunkeln. In unseren Städten und Dörfern gibt es mutige und schüchterne Menschen, gibt es missionarische und schlafende Christen. Und es gibt die vielen, die auf der Suche sind, auch wenn sie es sich nicht eingestehen. Jeder ist gerufen, jeder ist gesandt. Aber es ist nicht gesagt, dass der Ort dieses Rufs nur das Pfarrzentrum ist. Es ist nicht gesagt, dass sein Moment notwendig die gemütliche Pfarrveranstaltung ist. Der Ruf Gottes kann uns genauso erreichen am Fließband und im Büro, im Supermarkt, im Stiegenhaus, also an den Orten des alltäglichen Lebens.

Die anglikanische Kirche, an der wohl momentan nicht viel nachahmenswert ist, hat seit einiger Zeit ein neues Projekt mit dem Namen „Fresh Expressions“ das geistliche Angebote an den Zeiten und Orten des Lebens ermöglichen soll, Andockstellen für neue, spontan entstandene Gemeinschaften bietet. Diese Angebote müssen eben keine priesterlichen Eucharistiefeiern sein, sollen sie auch nicht ersetzen, sondern ergänzen das kirchliche Leben. Nichts grundsätzlich Neues, aber etwas, das immer wieder entdeckt werden muss.

Der Ruf Gottes kann einen überall erreichen. Dass er auch als solcher erkannt wird, dafür können die Gläubigen sorgen, indem sie die Freude des Evangeliums an so viele Orte wie möglich tragen:

Kirche sein heißt nicht verwalten, sondern hinausgehen, missionarisch sein, den Menschen das Licht des Glaubens und die Freude des Evangeliums bringen. Vergessen wir nicht, dass die Triebfeder unseres Einsatzes als Christen in der Welt nicht die Idee einer Menschenfreundlichkeit, eines unbestimmten Humanismus ist, sondern eine Gabe Gottes, nämlich das Geschenk der Gotteskindschaft, die wir in der Taufe erhalten haben. Und diese Gabe ist zugleich ein Auftrag. Kinder Gottes verstecken sich nicht, sie tragen die Freude ihrer Gotteskindschaft in die Welt hinaus.

Ein großes Anliegen ist dem hl. Vater die Beichte, das Sakrament der Versöhnung:

Sicher, „die Kirche umfasst Sünder in ihrem eigenen Schoß“, wie es das Zweite Vatikanische Konzil formuliert (Lumen gentium, 8). Aber das Konzil sagt an der gleichen Stelle, dass wir uns nicht mit der Sünde abfinden sollen, dass nämlich „Ecclesia sancta simul et semper purificanda“, die heilige Kirche immer wieder zu reinigen ist. Und das heißt, dass wir um unsere eigene Reinigung – im Sakrament der Versöhnung – stets bemüht sein sollten. Die Beichte ist der Ort, wo wir Gottes barmherzige Liebe erfahren und Christus begegnen, der uns die Kraft zur Umkehr und zum neuen Leben gibt. Und wir wollen als die Hirten der Kirche den Gläubigen beim Wiederfinden dieses wunderbaren Sakraments einfühlsam und verständnisvoll zur Seite stehen und ihnen gerade in dieser Gabe die Liebe des Guten Hirten spüren lassen. So bitte ich Euch, werdet nicht müde, die Menschen zur Begegnung mit Christus im Sakrament der Buße und der Versöhnung einzuladen.

Wie oft fehlt die Einladung dazu, mit dem dürren Hinweis, nach telephonischer Vereinbarung könne man ja eh einen Termin haben. Mit der unterschwelligen Botschaft: Hoffentlich war die Sünde auch schwer genug, damit es sich überhaupt auszahlt, deswegen angerufen zu werden. Wie oft aber gibt es die Einladung, und wir nehmen sie nicht an? Manche Priester haben auch resigniert, weil zu ihren Beichtzeiten niemanden gekommen ist.

Freilich, Versöhnung fällt schwer, wie die manchmal tiefen Gräben in der Kirche Österreichs, in den Gemeinschaften, auch in manchen Pfarrgemeinden zeigen. Es hat einen guten Grund, warum Franziskus die Beichte, die Versöhnung uns in Österreich besonders ans Herz legt.

One thought on “„Kinder Gottes verstecken sich nicht“

  1. Passt gut. Ich wollte heute UNGEBEDINGT zur Beichte, und zwar ohne die Präliminarien wie ein Anruf zu unmöglichen Bürozeiten bei der Pfarrsekretärin, die dann einen BEICHTTERMIN für mich vereinbarte. Was geht es die überhaupt an, was ich grad vom Pfarrer will. Aber man/frau muss es ja dazusagen, sonst kriegt man ja keine Dringlichkeit mehr eingeräumt. Seltensterweise wird vor der Sonnabendmesse eine Beichtzeit im Pfarrbrief (ich rede von Deutschland, in Italien beichten die am laufenden Meter, vor, während, mittendrin, danach und überhaupt) angekündigt. Die gilt aber nur für jeden zweiten oder dritten oder vierten Samstag oder j edenfalls nur nach Vorankündigung.
    So klappte es heute also wieder nicht und ich werde NICHT zum Hörer greifen und mir einen Exklusivtermin einräumen lassen. Ich möchte einfach nur HINGEHEN, REINGEHEN, RAUSGEHEN.
    Das kann doch nicht so schwer zu bewerkstelligen sein.

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