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Eine UNO zum Weinen


Um die Sinnlosigkeit vieler internationaler Institutionen zu beweisen, hat das UN-Kommittee für Kinderrechte einen Bericht über den Heiligen Stuhl verfasst, in dem es zwar zum geringeren Teil um berechtigte Anliegen, zum größeren Teil aber um nichts anderes als weltanschauliche Propaganda bis hin zu Eingriffen in die Religionsfreiheit geht.

Außerdem wird der Bericht in der Überzeugung verfasst, die Kirche seine eine streng geordnete Top-Down-Organisation — wer erlebt hat, dass es selbst in kleinen Diözesen nur mit größten Mühen gelingt, die Pfarren für gemeinsame Projekte zu gewinnen, kann nur Schmunzeln. So wird wortreich bekrittelt, dass die katholischen Schulen weltweit zuwenig dafür getan hätten, die Kinderrechtskonvention den Schülern bekannt zu machen. Wie immer das Kommittee das festgestellt, und in Vergleich wozu: Wie stellt sich das die Vorsitzende Sandberg (Norwegen) eigentlich vor?

P. Bernd Hagenkord schreibt in seinem Blog bei Radio Vatikan treffend:

[Der Vatikan] ist keine NGO (keine Woche vergeht, in der der Papst das nicht in einer Morgenpredigt sagt) und keine Zentralbehörde der Weltkirche. Der Bericht will zum Beispiel in Nr. 17 einen Kontrollmechanismus, mit dem der Vatikan die Ausgaben der gesamten Kirche für Kinder überwachen soll. Der Bericht schlägt ebenfalls vor, dass eine Ansprechstelle geschaffen werden soll, die für alle Kinder auf der Welt, die in katholischen Schulen sind, erreichbar ist. Wie viele Sprachen sollen denn da vorgehalten werden? Die UN stellt sich eine Zentralbehörde vor oder einen Staat, das ist die Kirche aber nicht. […]

Auch der Rest von Hagenkords Test ist lesenswert, ebenso die Analyse von P. Hans Zollner, Vizerektor der Gregoriana.

US-Senator Marco Rubio hat diesen Bericht zum Anlass genommen, die UNO davor zu warnen, obsolet zu werden.

Rubio schreibt unter anderem:

Unfortunately, the U.N. also chose to use the opportunity to make political statements about Catholic doctrine on abortion, contraception, and marriage, issues at the core of the Church’s teachings about human rights and the dignity of life. In doing so, the U.N. — with the seemingly limitless worldwide injustices it could be condemning or investigating — trampled on the religious-freedom principles outlined in its Universal Declaration of Human Rights. This is a U.N. that counts serial abusers and murderers of men, women, and children as members of its Commission on Human Rights. It has been unable to slow North Korea and Iran’s march toward nuclear weapons. It has proven feckless in its ability to prevent atrocities in places like Syria. It has routinely given a platform for state sponsors of terrorism to successfully condemn Israel. Its own “peacekeepers” have committed crimes against women around the world.

Dafür geht es die wahren Probleme an, wie zu wenig Konventionsbroschüren in Schulen und den Kampf gegen das Festhalten an der Deutung von Menschen als Männer oder Frauen.

Wer die Zusammensetzung der Menschenrechtskommission kennt, oder bedenkt, dass Saudi-Arabien und Bahrain Mitglieder der Kinderrechtskommission stellen, weiß ohnehin, wie ernst man Aussagen von UN-Kommittees nehmen sollte. Die anderen Berichte des Kinderrechtskommittees sind übrigens ebenfalls interessante Übungen in Realitätsfremdheit. Wer seltsamen Humor liebt, kann etwa den Bericht über den Kongo lesen, der wohl niemandem im Kongo eine Hilfe ist, aber dafür einen weiteren abgearbeiteren Punkt für die Komitteemitglieder darstellt. Allerdings: Wenn man die wirklichen Probleme im Kongo denkt, bleibt einem das Lachen im Halse stecken.

[Update] Link für Kongo-Bericht im Text ergänzt.

4 thoughts on “Eine UNO zum Weinen

  1. Das Beispiel mit dem Kongo würde mich mehr interessieren. So ist der Schluss irgendwie unverständlich für den diesbezüglich unkundigen Leser. Finde die Sache auch zu speziell, als dass man ihre Kenntnis voraussetzen sollte.

    • Ja, da war ich etwas in Eile. Den Link habe ich jetzt im Artikel ergänzt. Wieder ist es so, dass durchaus nachvollziehbare Punkte enthalten sind, wie der Kampf gegen Korruption — obwohl das nicht unbedingt die Kernkompetenz eines Kommittee für Kinderrechte ist. Wenn man sich aber vor Augen führt, dass kongolesische Zentralregierung bis heute weite Teile des Landes de facto nicht unter Kontrolle hat; dass die Lebensumstände vieler Menschen katastrophal sind; die öffentliche Hand wird zu 40% durch Entwicklungshilfe etc. finanziert und ständig in Geldnot. Und womit beginnt der Bericht? Mit der Begrüßung einer langen Liste von Gesetzesbeschlüssen, die weitgehend totes Recht sind; mit der Forderung nach der Schaffung einer ständigen Einrichtung für Beschluss und Umsetzung aller Gesetze und Hilfsprogramme für Kinder — schon aus Kompetenzgründen juristisch unmöglich und in einem Staat wie dem Kongo praktisch undurchführbar; mit der Forderung nach einer deutliche Steigerung der Staatsausgaben im Bereich Soziales und Familie. Ist ja eine gute Idee — woher nur das Geld nehmen? Und wie sicherstellen, dass es tatsächlich die richtigen erreicht? Wir reden von einem Land mit maroder oder fehlender Infrastruktur, hoher Korruption, hoher Analphabetenrate usw. usf. In dem Ton geht es weiter: Zwar werden durchaus reale Probleme angesprochen, doch Maßnahmen vorgeschlagen, als ob es sich um einen funktionierenden, liquiden Zentralstaat handeln würde, dem es nur am Willen fehlt. Der Willen fehlt vielleicht auch, doch das ist nicht das dringendste Problem.

  2. wer erlebt hat, dass es selbst in kleinen Diözesen nur mit größten Mühen gelingt, die Pfarren für gemeinsame Projekte zu gewinnen, kann nur Schmunzeln.

    Die römisch katholische Kirche ist, nach Canon 331 des Codex Iuris Canonici eine absolutistisch verfasste Monarchie, in der Praxis ein Feudalsystem.

    Und wenn jemand nicht gut tut in den Augen des Ortsordinarius, dann ist diese Person ums nomgucka, wie der Schwabe sagt, also im Handumdrehen, um Lohn und Brot gebracht.
    Und wenn der Monarch in Person des Stellvertreters Christi, eine Entscheidung fällt, können sich die Bischöfe noch so sehr quer stellen, die Entscheidung wird exekutiert, ob sie nun wollen oder nicht.
    Umgekehrt kann sich ein dem Monarchen genehmer Untergebener noch so sehr bemühen, ein Verbrechen, also eine öffentlich weithin sichtbare und bekannte Sünde, nach der anderen zu begehen, wenn das Oberhaupt der römisch katholischen Kirche seine schützende Hand über ihn hält, kann er ruhig schlafen; er wird unbehelligt von jeder Verfolgung durch kirchliche, oder gar weltliche Behörden, bleiben.
    Ein Mensch dagegen, der sich tragischer Weise in eine der Kirche nicht genehme Person verliebt, bekommt sofort Probleme, wenn er im kirchlichen Dienst steht (es sei denn er sei Pfarrer, siehe oben), oder wird spätestens bei den Skramenten die volle Strenge der Kirche zu spüren bekommen.
    Die Beispiele dazu sind Legion und ich hoffe, dass sogar Sie mit Ihrem geschärften Blick für die Kirche sich an diese erinnern werden. Wenn nicht, bin ich gerne behilflich.

    Ihr Kommentar oben entbehrt also nicht einer gewissen, durchaus tragischen, Komik.

    • Ich möchte fast sagen: Wenn es nur stimmen täte! Mit der Realität hat ihre Beschreibung wenig zu tun. In Limburg sehen wir gerade, wie machtlos ein Ortsordinarius in der eigenen Organisation ist — jeder Parteivorsitzende hat einen besseren Durchgriff auf seinen Apparat. — Die Termini, die sie zur Beschreibung der Organisationsstruktur der Kirche verwenden, treffen übrigens nach den gängigen Definitionen nur partiell zu. Da ich ihre persönliche Definition nicht kenne, lasse ich es dabei bewenden.

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