Startseite » Wirtschaft » Die Ehe als Aufstiegshilfe

Die Ehe als Aufstiegshilfe


In den USA wird schon lange beobachtet, dass Alleinerzieherhaushalte vor allem ein Phänomen der ärmeren Schichten sind, die auch eine kürzere Ausbildung genossen haben. Da es in den USA anders als bei uns bis zum Maturaalter im Prinzip lediglich eine Gesamtschule gibt, ist das für diejenigen, die nicht einmal diese abschliessen konnten, tatsächlich ein Problem. Menschen mit höherem Einkommen und höheren Bildungsabschlüssen tendieren eher zur Heirat und weisen auch niedrigere Scheidungsraten auf. Diese stabilere Beziehung färbt auch auf die Kinder ab: Kinder aus stabilen Familien weisen signifikant bessere Bildungsergebnisse und Einkommen auf und haben ein deutlich geringeres Risiko, straffällig zu werden.

Dieser Trend hat dazu geführt, dass etwa 2008 unter den Dreißigjährigen erstmals bei den College-Absolventen ein höherer Anteil verheiratet war als unter den Nicht-College-Absolventen, obwohl erstere durch die längere Ausbildungszeit tendenziell auch später heiraten.

Nun kann das zu einer Teufelsspirale werden: Gerade Menschen aus ärmeren Schichten würden von den sozialen und ökonomischen Vorteilen der Ehe besonders profitieren. Stattdessen ist aber dort die Rate der unehelichen Kinder besonders hoch. Die gesellschaftliche Kluft zwischen den Schichten steigt dadurch, obwohl empirisch gesehen für Menschen aus ärmeren Schichten die Ehe geradezu eine Aufstiegshilfe wäre.

Interessanterweise glauben manche wie etwa Isabel Sawhill am Brookings Institut, durch einen stärkeren Fokus auf Verhütung und eine Verlagerung der Zeugung von Kindern nach hinten dem entgegenwirken zu können. Das scheinen aber eher technokratische Maßnahmen zu sein. Stattdessen ginge es wohl eher um die Struktur des Beziehungsmarkts selbst, der je nach Bildungssituation und sozialer Schicht unterschiedlich funktioniert. Und um ein Phänomen, dass Ross Douthat so beschreibt:

a world where the short-term rational self-interest of both sexes — the understandable female desire to have children without taking on the burden of husbands who are often basically children themselves, and the understandable male desire not to take a steady but low-paying job when they can work part-time, goof off on the XBox, and still find willing sexual partners — conspires to keep some of the crucial ingredients of long-term happiness out of reach for a larger and larger share of the population.

Der eigentliche Schlüssel scheint in Impulskontrolle, Reflektion und der Fähigkeit zur langfristigen Perspektive zu liegen. Das sind halt ähnliche Eigenschaften, die auch für die positive Absolvierung langer Bildungswege von Vorteil sind.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s