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„Alles gehört euch; ihr aber gehört Christus“


Schon der Apostel Paulus musste gegen Spaltungen in der jungen Kirche kämpfen, wie im 1. Korinterbrief anschaulich zu lesen ist. In der 2. Lesung dieses Sonntags ist diese Spaltung wiederum Thema. Paulus beschämt die, die mit intellektueller Brillanz Widerspruch säen, Spaltungen einmeisseln, sich in Sophistereien ergehen:

Keiner täusche sich selbst. Wenn einer unter euch meint, er sei weise in dieser Welt, dann werde er töricht, um weise zu werden. Denn die Weisheit dieser Welt ist Torheit vor Gott. In der Schrift steht nämlich: Er fängt die Weisen in ihrer eigenen List. Und an einer anderen Stelle: Der Herr kennt die Gedanken der Weisen; er weiß, sie sind nichtig.

Paulus ist selbst ein intellektueller Kopf, er weiß, wovon er schreibt. Er selbst hat in seiner Weisheit für die Verfolgung der ersten Christen argumentiert und gearbeitet, doch seine Weisheit wurde beim Damaskus-Erlebnis als Torheit entlarvt. Paulus wendet sich daher scharf dagegen, eine Fraktion zu bilden, ob „Pauliner“ oder „Apolliner“, die sich „eines Menschen rühmt“, der weisere Worte als der andere haben soll. Vielmehr soll man gemeinsam an der Kirche zu bauen, auf dem Fundament, das Jesus Christus selbst ist.

Man findet hier rasch einen Bezug zum gestrigen Fest der Kathedra Petri. Die gemeinschaftliche apostolische Tradition, die auf Christus selbst zurückweist, trägt diese Kirche. Wer sich für weiser als diese Tradition hält, dem hält Paulus entgegen: „Der Herr kennt die Gedanken der Weisen; er weiß, sie sind nichtig.“ Noch einmal betont er die gemeinsame Überlieferung:

Denn alles gehört euch; Paulus, Apollos, Kephas, Welt, Leben, Tod, Gegenwart und Zukunft: alles gehört euch; ihr aber gehört Christus und Christus gehört Gott.

Johannes Chrystostomos hat dazu folgende interessante Überlegung:

[H]ier aber spricht er: „Alles ist euer,“ um den Hochmut der Lehrer zu dämpfen, indem er zeigt, dass dieselben ihnen nicht nur Nichts geben können, sondern vielmehr ihnen Dank wissen sollen: denn ihretwegen sind sie ja Lehrer geworden und haben hiezu auch die Gnade erlangt. Weil aber auch das Volk sich rühmen mochte, so hebt er auch diese Krankheit mit den Worten: „So wie es Gott einem Jeden gegeben hat,“ und: „Gott hat das Gedeihen gegeben,“ — damit die Lehrer ob ihrer Leistungen nicht hochmüthig würden, und damit auch das Volk nicht ebenfalls stolz würde, wenn es hörte: „Alles ist euer.“ Denn obgleich es euretwegen da ist, so ist doch Alles Gottes Werk. […] Unser ist die Welt, weil sie unsertwegen erschaffen ist: Christus gehört Gott an, weil er ihn zum Ursprung und zum Vater hat; wir aber gehören Christo an, weil er uns gebildet hat. Wenn nun aber jene (Lehrer) euretwegen da sind, warum nennt ihr euch denn nicht nach Christus und nach Gott, sondern im Gegenteile nach jenen?

Man ist versucht, an diverse heute präsente christliche Strömungen zu denken, die nach ihren Meistern benannt sind.

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