Startseite » Einmal anders » Spanien: Zurück zur Greenwich Mean Time?

Spanien: Zurück zur Greenwich Mean Time?


Wer in Spanien auf Urlaub war oder mehr noch, wer beruflich dort zu tun hatte, wird der etwas andere Zeitrhythmus aufgefallen sein. Das Mittagessen wird oft zwischen 14 und 16 Uhr eingenommen, das Abendessen erst um 21 Uhr oder später. Das „Hauptabendprogramm“ im Fernsehen beginnt überhaupt erst um 22 Uhr; das ist auch die Zeit, wo man weggeht. Wenn dann zu lesen ist, die gemeinsame Abendrunde könne sich auch in der Familie bis weit nach Mitternacht ziehen, führt das aber etwas in die Irre.

Denn Spanien verwendet seit 1942 die Mitteleuropäische Zeit, für die das Land eigentlich zu weit westlich liegt. So geht am heutigen 24. Jänner die Sonne in Santiago de Compostela um 8:15 auf, und um 19:18 unter, in Barcelona immerhin um 7:31 auf und um 18:37 unter. In Graz lauten diese Zeiten 6:44 und 17:37. Zu Barcelona beträgt der Unterschied also eine Dreiviertelstunde, zu Santiago de Compostela sogar eineinhalb Stunden. In Graz ist der Sonnenhöchststand kurz nach 12 Uhr erreicht, in Santiago de Compostela eher Richtung Dreiviertel Zwei. In der Sommerzeit entfernt sich der Sonnenhöchststand noch einmal eine Stunde von der 12-Uhr-Marke.

Mit der Umstellung folgte Spanien damals Frankreich, das seit der NS-Okkupation die Mitteleuropäische Zeit verwendet. Da schien es naheliegend, die Zeit des wichtigen Handelspartners und Nachbarn zu übernehmen. Doch die Arbeitszeiten synchronisierten sich nicht, wie vielleicht erwartet worden war.

Stattdessen entwickelte sich ein spezifisch spanischer Rhythmus: Die Spanier fangen wohl zu ähnlichen Uhrzeiten zu arbeiten an wie etwa ihre französischen Kollegen, haben ihre (lange) Mittagspause dann aber deutlich später — oft fängst sie erst um 14 Uhr an –, beginnen dann zwischen 15 Uhr und 16 Uhr wieder zu arbeiten, was sich wiederum ohne weiteres bis 20 Uhr ziehen kann, und schlafen dann eine Stunde weniger als es dem europäischen Durchschnitt entspricht. In Folge dessen sind die Spanier auch weniger produktiv, wie Berichte der Comisión Nacional Para La Racionalización de los Horarios Españoles anführen.

Ein Vorschlag ist daher, wieder die gleiche Zeitzone wie Großbritannien anzunehmen und in einer konzertierten Aktion gleichzeitig damit z.B. die Programmierung der Fernsehkanäle etc. so zu ändern, dass die Hauptabendzeit nach vor verlegt wird. Außerdem soll die lange spanische Mittagspause gekürzt werden, damit die Menschen früher nach Hause können und noch Zeit für das Familienleben bleibt.

Hinter diesem Vorschlag stehen mittlerweile auch zahlreiche Politiker und Gewerkschaften. Die lange Mittagspause ist sinnvoll, wo die brennende Nachmittagssonne jedes Arbeiten unmöglich macht. In der Landwirtschaft oder am Bau wird sie auch weiterhin notwendig sein. In vollklimatisierten Büros und Geschäften wohl weniger.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s