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Am Weg zum Konzil der Orthodoxie


Bis heute abend tagten im Phanar in Konstantinopel die Hierarchen von fünfzehn orthodoxen Kirchen, um die Einberufung des langersehnten panorthodoxen Konzils vorzubereiten. Dabei haben sie es nicht leicht: Da in der Orthodoxie eine enge Bindung von Staat und Kirche herrscht, gibt es bei politischen Umwälzungen regelmäßig Konflikte um die Frage, ob dadurch auch neue autokephale, also selbstbestimmte orthodoxe Teilkirchen entstehen oder ob trotz neuer Staatsgrenzen die alte Einheit gewahrt wird. Daneben gibt es auch noch einen jahrhundertealten Streit zwischen Moskau und Konstantinopel über das Ausmaß und die Bedeutung des Ehrenvorrangs des Patriarchen von Konstantinopel, sieht sich doch Moskau als das „Dritte Rom“.

Patriarch Bartholomäus I. hat es aber in mühevoller Kleinarbeit geschafft, zumindest eine Synaxis der Orthodoxie zustande zubringen. Gleich hat man wieder gesehen, warum das hierarchische System der Katholischen Kirche der Orhodoxie in der Verwaltungspraxis überlegen ist: Das Patriarchat von Antiochien hat sich wegen einer Gebietsstreitigkeit mit dem Patriarchat von Jerusalem von der Synaxis wieder zurückgezogen. Dabei geht ausgerechnet um Katar, anscheinend einen Hort der Christenheit.

Wie Kathpress berichtet, hat der ökumenische Patriarch recht klare Vorstellungen von den Problemen der Orthodoxie. Sie schwächt sich durch Grabenkämpfe selbst, nimmt in wichtigen ethischen Fragen — Stichwort Bioethik, Schöpfungsverantwortung — daher auch nicht Stellung, wodurch die Gewissensbildung der Gläubigen erschwert wird.

Vom Konzept her sehen sich die Teilkirchen als Teil einer universalen, rechtgläubigen Kirche. Doch dieses Gefühl der Universalität ist geschwunden, und vielerorts wird die bloße Idee gemeinsamer Beschlüsse der Orthodoxie abgelehnt, weil man sich in einer Nationalkirche gemütlich eingerichtet hat. Dabei ist doch eine Nationalkirche einer der unchristlichsten Formen, wie man eine Kirche gestalten kann.

Hoffentlich gelingt der Durchbruch zum panorthodoxen Konzil, mit dem zumindest die Einheit innerhalb der Ostkirchen gestärkt wird und vielleicht einige der Probleme gelöst werden können.

Update: Das Treffen ist erfolgreich verlaufen. Für 2016 soll nun ein panorthodoxes Konzil einberufen werden, das in Konstantinopel tagen soll. Ab Herbst wird sich eine Kommission zur Vorbereitung treffen, wie Radio Vatikan meldet. Unter anderem wird es beim Konzil auch um die heikle Fragen gehen, unter welchen Voraussetzungen eine neue autokephale Teilkirche entstehen kann. Sollte hier eine Einigung gelingen, wäre ein wesentliches Hindernis für die Einheit der orthodoxen Kirchen untereinander aus dem Weg geräumt.

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