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Vom (Un)Sinn der Flexi-Quote


Die Diskussion um Quotenplätze für die verschiedensten Gruppen ist ein beliebter Zeitvertreib in Medien und Politik. Nicht individuelle Merkmale, sondern statistische Kennzahlen sollen z.B. Studien- oder Arbeitsplätze bestimmen. In Österreich geht es meist um die Frauenquote, in den USA gibt es sogar Rassen-Quoten.

Familienministerin Sophie Karmasin hat diese Debatte bekanntlich um die Flexi-Quote bereichert, die je nach Branche und Stelle verschieden hoch sein soll. Als Beispiel wird etwa ein Unterschied zwischen Frauen- und Verteidigungsministerium genannt, oder Stahlbranche und Journalismus.

Freilich ist das ein Irrläufer. Nicht nur wegen des Eingriffs in die Vertragsfreiheit. Nicht nur deswegen, weil gerade bei Führungspositionen ein Unternehmenseigentümer ein besonderes Recht auf Schutz seiner Interessen hat. Nicht nur, weil Quoten in der Regel neue Ungerechtigkeiten schaffen statt alte zu beseitigen. Nicht nur, weil statistische Gerechtigkeit ein bloßes Abstraktum, persönliche Ungerechtigkeit aber sehr konkret existiert.

Sondern aus einem simplen Grund: Die Beschäftigungsstruktur hat in der Regel wenig mit der Führungsriege zu tun. Es ist zwar durchaus zu beklagen, doch es ist nur selten der Fall, dass sich etwa der Stahlkocher zum Vorstandsmitglied hocharbeitet, oder die Reinigungskraft zum Finanzchef. Daher spielt es etwa für die Vorstände in einem Stahlunternehmen eine geringe Rolle, wie hoch der Frauenanteil unter den Stahlkochern ist. Wer mit Statistiken operieren will, muss sich eher das Feld der möglichen Bewerber anschauen, nicht die Branchenstruktur.

Was ich mich aber schon frage: Warum ist immer nur von Führungskräften die Rede — und zwar vorzugsweise Aufsichtsräten? Ein Schelm, wer denkt, die Betroffenen dächten hier vor allem an Karrieremöglichkeiten für sich und ihre Bekannten, während ihnen die realen Probleme vieler arbeitender Frauen völlig wurscht sind.

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