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Gott erhalte …


Jetzt ist es also auch schon fast hundert Jahre her, dass das Habsburgerreich, diese Transzendenz der nationalen Enge, zerfallen ist. Und doch kann es auch heute geschehen, dass die österreichische Bundeshymne gesungen werden soll, und einige anfangen, die alte Volkshymne, das „Gott erhalte“, zu intonieren. Sie haben es nicht in der Schule gelernt; sie spüren einfach, was wirklich Österreich ist und was nur noch so heißt.

Franz Grillparzer hat versucht, dieses Gefühl des „Gott erhalte“ in ein schlichtes Gedicht zu fassen:

Als ich noch ein Knabe war,
Rein und ohne Falte,
Klang das Lied mir wunderbar,
Jenes „Gott erhalte“.

Selbst in Mitte der Gefahr,
Von Getös umrungen,
Hört ichs weit entfernt, doch klar,
Wie von Engelszungen.

Und nun müd und wegeskrank,
Alt, doch auch der alte,
Sprech ich Hoffnung aus und Dank
Durch das: „Gott erhalte“!

— Franz Grillparzer.
(Quelle: zeno.org)

Ein Zauber, der auch heute seine Wirkung entfaltet.

Der Anlass des heutigen Postings ist übrigens, dass am 27. März 1854, also vor 160 Jahren, Kaiser Franz Joseph den Text Johann Gabriel Seidls zum offiziellen Text der Volkshymne erhob. Seidls Verse sind bis heute die bekannteste Textfassung, während die Originalzeilen von Lorenz Haschka oder die Zedlitz-Hymne so sehr an die jeweilige Person des Kaisers gebunden waren, dass sie heute weitgehend der Vergessenheit anheim gefallen sind.

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