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Österreich: Land der Kinderlosen?


Das Österreichische Institut für Familienforschung hat eine neue Studie über Kinderwunsch und die Bildung von Familien unter dem etwas sperrigen Titel „Unsicherheiten im generativen Verhalten“ veröffentlicht, über den auch in den Medien berichtet wurde.

Die Berichterstattung konzentriert sich dabei auf die Frage der Kinderbetreuung und der Aufteilung der Familienleistungen. Meist wird suggeriert, freie und flächendeckende Kinderbetreuung ab dem Kleinstkindalter wäre der vielleicht teure, aber entscheidende Puzzleteil; eine Ansicht, die dank ständiger medialer Wiederholung nun auch bei den Menschen angekommen ist.

In der Studie wird aber gleich anfangs ein wichtiger Punkt angesprochen, den ich auch aus meinem persönlichen Umfeld bestätigen kann: Welche Schritte man in seinem Leben unternimmt, hängt von Erwartungshaltung, sozialen Werte und der Zuversicht, mit der neuen Situation umgehen zu können, ab. Man nennt das die „Theory of Planned Behaviour“. Tatsächlich merken viele Menschen, dass ihnen eine Familie fehlt — spätestens, wenn sie der nach hinten verschobenen Postadoleszenz entwachsen sind. Doch in weiten Bereichen unserer hedonistischen Gesellschaft werden Kinder als Luxusgut gesehen und behandelt, wenn man sozusagen „alles andere“ schon erreicht hat.

Menschen aus einem Umfeld, in dem in der Frage des Nachwuchses nicht die „Einschränkung“ im Vordergrund steht, sondern die Bereicherung, die gegenseitige Liebe; die aus einem Umfeld stammen, in dem Kinder einfach zur Normalität gehören, wo nicht überdramatisiert wird oder überspitzte Erwartungen herrschen, was ein Kind alles zu bekommen habe, der wird sich später leichter mit der Entscheidung für das Kind tun. Die wichtigste Änderung ist nicht eine der Betreuungsplätze — auch wenn diese nicht zu vernachlässigen sind –, sondern der Herzen. Österreich ist am Papier nämlich keine kinderfeindliche Gesellschaft — die Familienleistungen kann man optimieren, sind aber in vielen Ländern Europas schlechter als in Österreich. Doch aus einem Mix von Erwartungsdruck, kinderfeindlichen sozialen Normen und mangelnder Erfahrung und Zuversicht wird ein für den Kinderwunsch tödlicher Cocktail.

2 thoughts on “Österreich: Land der Kinderlosen?

  1. Naja, ob da die richtigen Fragen gestellt werden? Also wenn einen diese Frage interessiert, müsste man dann nicht erstmal schauen, wie es denn mit aussieht mit dem Beziehungswesen im Land? Sind da lauter junge Paare, denen nur die Kinderbetreuung und Familienleistungen fehlen? Sind da überhaupt mehrheitlich Paare unter den jungen Leuten? Sind da nicht in den Städten zur Hälfte Singlehaushalte? Und darüber hinaus leben nicht so wenige bis zum 40. Lebensjahr noch bei den Eltern? Was vermutlich auch nicht aus purer Lust geschieht?

    • Danke für den Kommentar. Einige dieser Fragen werden im Bericht angedeutet, auch wenn es politisch nicht erwünscht ist, diese Grundsatzfragen weiter zu beleuchten. Hier ist man in anderen Ländern schon weiter, wo man die Probleme zumindest benennen darf.

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