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Zum Passionssonntag: Wenn euch der Sohn befreit, dann seid ihr wirklich frei


Der fünfte Sonntag der Fastenzeit hieß jahrhundertelang Passionssonntag oder Sonntag „Iudica“ nach dem Eröffnungsvers: „Judica me, Deus, et discerne causam meam de gente non sancta : ab homine iniquo et doloso erue me. Quia tu es, Deus, fortitudo mea.“ — im jetzigen Messbuch übersetzt als: „Verschaff mir Recht, o Gott, / und führe meine Sache gegen ein treuloses Volk! / Rette mich vor bösen und tückischen Menschen, / denn du bist mein starker Gott.

An diesem Sonntag wurde der Abschnitt aus dem Johannesevangelium gelesen, welcher der Heilung des Blinden vorangeht. Jesus redet im Tempel; dabei gerät er in eine Konfrontation mit ihm feindlich gesinnten Personen, die ihm vorwerfen, ein Samariter und ein Besessener zu sein. Es steht bereits im Raum, dass er getötet werden solle; am Schluss der Szene wollen ihn einige steinigen. Die kommende Passion ist schon spürbar.

Vor diesem Hintergrund gewinnt auch die Erzählung der Ehebrecherin, die kurz zuvor ins Evangelium eingeflochten ist, zusätzlichen Sinn. Jesus entlarvt da die Heuchelei der Steiniger, die doch selbst Sünden auf sich geladen haben. Um wieviel seltsamer ist es, dass sie nun ihn steinigen wollen, dem sie keine Sünde nachweisen können. Ja, sie tun es wohl, weil sie ihm Gotteslästerung vorwerfen; doch sind sie es nicht selbst, die Gott lästern? Sie sehen Gottes Taten durch ihn, sie hören seine Worte, und wollen ihn trotzdem nicht annehmen. Eigentlich sind sie „widerlegte Zeugen“, die nach Ansicht vieler Schriftgelehrten — nicht aber der Sadduzäer — bei einer Anklage, die den Tod fordert, selbst so bestraft werden sollen wie der von ihnen beschuldigte. Abgesehen davon übertreten sie mit ihrer Lynchjustiz ja das jüdische Gesetz, selbst wenn Jesus schuldig wäre.

Nun spricht Jesus im Tempel [die Last der Sünde direkt an](http://www.bibleserver.com/text/EU/Johannes8,31-36 „Bibel: Johannes 8,31-36), die er schon in der Geschichte der Ehebrecherin angesprochen hatte: „Wenn ihr in meinem Wort bleibt, seid ihr wirklich meine Jünger. Dann werdet ihr die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch befreien. […] Jesus antwortete ihnen: Amen, amen, das sage ich euch: Wer die Sünde tut, ist Sklave der Sünde. Der Sklave aber bleibt nicht für immer im Haus; nur der Sohn bleibt für immer im Haus. Wenn euch also der Sohn befreit, dann seid ihr wirklich frei.“

Die Perikope des Passionssonntags bringt in der außerordentlichen Form einen Ausschnitt aus dieser dichten Stelle, in dem nicht bloß die Passion, sondern auch schon die spätere Auferstehung thematisiert wird. Jesus sagt: „Wenn jemand an meinem Wort festhält, wird er auf ewig den Tod nicht schauen.“ Die mit ihm streiten, scheinen nicht an die auch im Judentum jener Zeit durchaus verbreitete Vorstellung einer Auferstehung der Toten zu sein, denn bei freundlicher Interpretation hätte man diesen Satz ja wohl so verstehen können. Bekanntlich lehnten aber die Sadduzäer, die den Tempel dominierten, den Glauben an die Auferstehung ab. Und so erinnert ihre Argumentation auch ein wenig an jene der Sadduzäer, die Jesus den Irrtum der Auferstehung beweisen wollen. Abraham und die Propheten seinen gestorben, wie könne er da ewiges Leben versprechen. Sei er größer als Abraham? Jesus legt ein Bekenntnis in Analogie zum Johannesprolog ab: „Noch ehe Abraham wurde, bin ich.“ Im Anfang war das Wort.

Dieses Wort will befreien, doch dieses Wort wird oft nicht erkannt, nicht aufgenommen. Wo es aber aufgenommen wird, da macht es frei. Eine tiefe, grundlegende Freiheit. Die Freiheit der Kinder Gottes: „Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.“

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