Sechs Wochen Urlaub?


Das klingt ja einmal gut: Sechs Wochen Urlaub! Wer sollte dagegen etwas haben? Das ist wohl auch der Grund, warum der Österreichische Gewerkschaftsbund diese Forderung mit der Zustimmung zu einer längeren Normalarbeitszeit junktimiert. Genauer geht es darum, dass der Anspruch auf die sechste Urlaubswoche nicht bloß bei langer Zugehörigkeit zu einem Betrieb entsteht, sondern grundsätzlich nach 25 Berufsjahren.

Es ist ihm verhandlungstechnisch auch nicht übelzunehmen. Die längere Normalarbeitszeit bedeutet für den einzelnen Arbeitnehmer, der davon betroffen ist, ja in der Regel vor allem den Wegfall höher bezahlter und steuerlich begünstigter Überstunden. Die marginal erhöhte Sicherheit des Arbeitsplatzes fällt für den einzelnen nicht so stark ins Gewicht, da sich das Kündigungsrisiko auf viele Köpfe verteilt. Da muss der ÖGB schon eine Gegenleistung vorweisen können, auch wenn er standortpolitisch vielleicht selbst von der höheren Normalarbeitszeit überzeugt ist.

Es gibt aber ein einfaches ökonomisches Problem: Bei gleichbleibendem Lohn bedeutet die sechste Urlaubswoche nach 25 Berufsjahren eine Erhöhung der Arbeitskosten bei älteren Arbeitnehmern — gerade bei denen, die verschiedene Arbeitgeber hatten und vielleicht auch noch haben werden. Wobei je nach Bildungsweg „älter“ in diesem Fall zwischen 41 (!) und 50 beginnen kann. Das Ziel, ältere Menschen in Beschäftigung zu halten, wird damit jedenfalls konterkariert.

Ein zweites, simples Problem: Die Zielgruppe der Urlaubsausweitung ist z.T. eine andere als die der Ausweitung der Normalarbeitszeit. Die beiden Forderungen sind inhaltlich nicht verknüpft, die eine nur für wenige tatsächlich eine Entschädigung für das andere.

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