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Zwei heilige Väter


Heilige Väter © news.va

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Die Heiligsprechung zweier Päpste ein besonderes Ereignis im Leben der Kirche. Umso mehr, da noch viele Menschen leben, die den beiden persönlich begegnet sind, die Zeugnis davon geben, was für beeindruckende Menschen die beiden waren. Die beiden Persönlichkeiten sind im übrigen wesentlich enger verknüpft, als Kritiker gelten lassen. Wie es eine Website ausdrückte, „Johannes XXIII. und Johannes Paul II. wurden von maßgeblichen weltlichen Meinungsträgern nicht auf derselben Seite der Barrikade verortet.“ Tatsächlich ist der Geist, der sie handeln ließ, der gleiche.

Der Blick auf die Pontifikate wird meist durch politische Sichtverengungen behindert. Papst Johannes XXIII. wird von vielen für alle Missstände verantwortlich gemacht, die sich mit den Veränderungen in der Katholischen Kirche durch das Zweite Vatikanischen Konzil und die folgenden Entscheidungen der Kurie in Zusammenhang bringen lassen. Papst Johannes Paul II. wurde von anderen seine entschiedene Gegnerschaft zum kommunistischen Unrechtsregime nicht verziehen, das er selbst am eigenen Leib erfahren hatte, wie auch sein Eintreten für eine neue Theologie des Leibes, die quer zum linksliberalen Mainstream steht.

Nach den schweren Verwerfungen des Zweiten Weltkriegs und die Zeit auch des spirituellen Wiederaufbaus, durch die Papst Pius XII. die Kirche so erfolgreich führte, waren manche Beobachter 1958 von der Wahl des damals 77jährigen Patriarchen von Venedig, Angelo Roncalli, überrascht. Noch heute wird vom Kompromisskandidaten gesprochen. Doch gerade jemand mit der Lebenserfahrung Roncallis — von seinem Dienst im Ersten Weltkrieg, seine diplomatischen Aufgaben für die Kurie wie seine engagierte seelsorgerische Arbeit — war eben der richtige, um durch sein Beispiel, Worte und Taten Wege zu zeigen, wie man von Christus glaubwürdig Zeugnis ablegen kann. Nichts anderes war das Ziel des so oft missverstandenen Aggiornamento, der Verheutigung. Nicht der Inhalt steht zur Disposition, sondern die Sprache, die Formen, mit denen man die frohe Botschaft verkündet. In diesem Sinn ist z.B. auch seine Wiederaufnahme einer päpstlichen Reisetätigkeit zu sehen.

Hier spannt sich der Bogen zu Papst Johannes Paul II., der durch sein Leben bereits vor seiner Papstwahl ein Kreuz zu tragen hatte. Den Zweiten Weltkrieg mit seiner immensen Vernichtungskraft gerade in Polen hat der junge Karol Wojtyla hautnah miterlebt, dabei es trotz eigener Not unternommen, anderen Menschen zu helfen. Unter größer Gefahr trat er 1942 in ein geheimes Priesterseminar ein. Über sein Wirken in Polen ist viel geschrieben worden, von seinem eindrucksvollen Einsatz für den Bau der Kirche in Nowa Huta und seinem Eintreten für die Freiheit der Religion und des Gewissens gegen die kommunistischen Machthaber bis zu seinem Engagement für die deutsch-polnische Aussöhnung. Genauso wie bei Roncalli darf man aber den Seelsorger nicht aus den Augen verlieren, der den Menschen demütig und liebevoll dienen will.

Als Papst Johannes Paul II. hat er sich sehr um das rechte Verständnis des jüngsten Konzils bemüht, auch um die innerkirchliche Versöhnung. Er war ein Bote der Freiheit des Glaubens, der Würde des Menschen in der Welt. Und er hat sich ebenfalls sehr darum bemüht, durch seine Reisen, Reden, Predigten, die Weltjugendtage und mehr eine zeitgemäße Verkündigung des Glaubens zu fördern. Sein Leiden in den letzten Lebensjahren war selbst ein Stück Verkündigung: Wie wir Menschen unser Kreuz tragen können und sollen, wie auch Leiden und Krankheit uns unsere Würde nicht nimmt, wie jeder Mensch auch in dunklen Stunden einem Ruf Gott folgen kann.

Johannes Paul II. und Johannes XXIII. sind auf der „gleichen Seite der Barrikade“ zu Hause: Auf der Seite Christi und seiner Kirche. Freilich waren sie keine perfekten Menschen. Die gibt es auch gar nicht, zumindest nicht auf Erden. Ihre dunklen Seiten waren ihnen wohl auch selbst schmerzlich bewusst. Doch ein „Heiliger“ wird man nicht durch Perfektion, sondern dadurch, dass man sein Leben vor Gott hinlegt, bereit ist, sich ganz auf ihn einzulassen und sich bemüht, seinen Willen zu erkennen und zu tun. Dieser Bereitschaft hat Gott sein Siegel aufgedrückt, wie es in den Wundern zum Ausdruck kommt, die mit der Fürsprache der beiden in Verbindung gebracht werden. Für Papst Johannes XXIII. hat man auf die Aufarbeitung der Wunderberichte für die Heiligsprechung verzichtet, da sein Tugendgrad hinreichend bekannt sei. Das ist aber eher als Abkürzung des Verfahrens zu werten: Sein Leichnam stellte sich bei der Exhumierung ja als unverwest heraus, was (abhängig allerdings von klimatischen Bedingungen) traditionell ein Zeichen der Heiligkeit ist.

Zwei heilige Väter – und dank der Teilnahme des emeritierten Papstes Benedikt XVI. wird es sogar zum „Vierpäpstetag“. Wir sind doch eine gut behütete Kirche.

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