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Friedrich III. und „Glücklich ist, wer vergisst“


Kaiser Friedrich III. (* 1415, † 1493) ist für sein Motto „AEIOU“ bekannt, sofern er bekannt ist. Das wird oft als „Austria erit in orbe ultima“ gedeutet — Österreich sei im Erdkreis das höchste bzw. zeitlich letzte –, es gibt aber noch hunderte andere, wie etwa „Augustus est iustitiae optimus vindex“ — Der Kaiser ist der beste Beschützer der Gerechtigkeit. Welche Deutung(en) der Kaiser wirklich damit verbunden hat, ist nicht bekannt. Auf einem Kristallbecher wurde es zu seinen Lebzeiten als „Aquila Ejus Iuste Omnia Vincet“ ausformuliert. Ob es aber seine eigene Interpretation war, wissen wir nicht.

Dafür ist ein anderer Spruch sinnvoll erhalten, den Friedrich III. für so bedeutend hielt, dass er ihn im alten Schloss Laxenburg in Stein meißeln ließ: „Rerum irrecuperabilium summa felicitas est oblivio.“ Der unwiederbringlichen Dinge höchstes Glück ist das Vergessen. Lustigerweise schreibt etwa Peter Maier-Bergfeld diese Inschrift dem Erbauer der Laxenburger Franzensburg, Kaiser Franz II. / I. zu, „nachdem er 1811 den Staatsbankrott verkündet hatte“. Das ist eine nette Anekdote, allerdings falsch.

Tafel in Laxenburg

Tafel in Laxenburg

Friedrich III. hat diese kurze Textzeile aber nicht bloß in Laxenburg verewigt. Sie findet sich z.B. in Aachen, in einer Notiz, über einer Tür, auf einem (verschollenen) Portrait. Angeblich soll er diesen Satz ausgesprochen haben, als er vom Fall Konstantinopels erfahren hätte. Allerdings wurde die Marmortafel in Schloss Laxenburg wohl bereits vor 1453 angebracht, womit auch diese Anekdote nicht ganz glaubwürdig ist.

Peter Diem übersetzt den Spruch scherzhaft mit „Glücklich ist, wer vergisst, was nicht mehr zu ändern ist“. Er ist aber gar nicht so „typisch österreichisch“. Er findet sich im 16. Jahrhundert ebenso als Motto des niederländischen Arztes Lemnius, 1612 als Inschrift auf einem Haus in Hildesheim, oder in einem Text eines siebenbürgischen Stadtbeschlusses.

In einer Sammlung lateinischer Redewendungen eines William Robertson findet sich eine längere Fassung ohne Quellenangabe: „Sapientiae est, atque magnitudinis animi, oblivioni tradere irrecuperabilis rei dispendium, nam rerum irrecuperabilium summa felicitas est oblivio.“ — „Es ist von Weisheit und der Großheit der Seele, dem Vergessen den Verlust der unwiederbringlichen Dinge zu übergeben, denn der unwiederbringlichen Dinge höchstes Glück ist das Vergessen.“

Woher stammt diese Setenz? Und warum fühlt sich ein Kaiser bemüßigt, sie in repräsentativen Texten zu benutzen? Der Spruch enthält zweifellos eine tiefe Wahrheit. Gegen das unwiederbringlich Verlorene, das unabänderlich Geschehene zu kämpfen, sich von ihm emotional aufwühlen zu lassen, ist eine denkbar schlechte Verwendung der eigenen Kraft. Vielleicht bin ich so viel Nachdenklichkeit von führenden Personen einfach nicht gewohnt …

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