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Maria Lassnig (1919-2014)


„Grande Dame“ nennt man im Kulturbetrieb gerne weibliche Künstler, die in Würde gealtert sind und kraft alters gewürdigt werden. Maria Lassnig ist nun 94jährig in Wien gestorben — und wird posthum als eine solche „Grande Dame“ gewürdigt Sie hätte darüber vielleicht geschmunzelt, denn sie war alles mögliche andere. Und das war auch gut so.

Lassnig war eine neugierige Frau, die alles mögliche in der Welt und an sich selbst kennenlernen wollte. Ihre Kunst erforscht und reflektiert in weiten Strecken sie selbst; ehrlicher kann es nicht sein. Sie experimentierte mit Film, Graphik, Malerei. Billige Schockwirkung oder das Kratzen an vermeintlichen Tabus — deren „Brechen“ meist gerade der Code für den In-Künstler ist — waren nicht ihr Thema. Auch sonst hat sie sich den üblichen Strategien der Kunstvermarktung verweigert und das zur eigenen, erfolgreichen Strategie erhoben.

Mitten im Krieg ging die junge Kärntner Lehrerin an die Kunstakademie, lernte nach ihrem Rausschmiss bei Herbert Boeckl — was in ihren Bildern deutliche Spuren hinterlassen hat –, hatte mit 28/29 Jahren ihre erste Einzelausstellung in Klagenfurt, stieß mit knapp über 30 zum Kreis um Monsignore Otto Mauer und seine Galerie St. Stephan, um dann nach Paris zu gehen, mit fast 50 nach New York. 1980 kehrte sie dank der Hartnäckigkeit von Wissenschaftsministerin Herta Firnberg nach Österreich zurück, um eine Professur an der Akademie für angewandte Kunst anzunehmen. Auch in dem Alter, in dem andere in Pension gehen, hat sie das Interesse für das Neue nicht verlassen. In den letzten Jahren durfte sie auch noch zahlreiche Ehrungen entgegennehmen, deren Altersbezug ihr freilich nicht verborgen blieb. Den Goldenen Löwen für ihr Lebenswerk konnte sie dann nicht mehr persönlich entgegennehmen, dafür reichte die Kraft nicht mehr.

Familie, ein treuer Mann — das hatte in ihrem Leben keinen Platz gefunden, was sie in Interviews auch im hohen Alter noch beklagt und vor sich selbst gerechtfertigt hat. Ihre Kinder, das waren dann die Bilder, die sie ungern weggab und deren Verbleib sie sehr beschäftigte.

In der Sammlung Essl kann man viele Werke von ihr sehen, solange es das Museum noch gibt. Das Joanneum Graz hat 2012 eine Werkschau auf die Beine gestellt, von der noch einige Fotos auf deren Homepage zu sehen sind. Diese Ausstellung war so interessant, dass sie mittlerweile über Hamburg und Deurle ihren Weg in die Dependance PS1 des New Yorker Museum of Modern Art gefunden hat. Das Joanneum hat es in den letzten Jahren auch unternommen, ein Werkverzeichnis der Künstlerin anzulegen.

Andrea Schurian interviewte die Künstlerin letztes Jahr für den „Standard“. Das „profil“ war zum Neunziger dran. Ö1 hat zum Neunziger ein Portrait gesprochen.

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