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„Ich bin die Tür zu den Schafen“


Zumindest ich habe das Gefühl, die Osterzeit vergehe wie im Flug. Jetzt ist auch schon der vierte Sonntag der Osterzeit, quasi Halbzeit. An diesem Sonntag wird der Anfang der sogenannten Hirtenrede aus dem Johannesevangelium gelesen, in der an späterer Stelle (gelesen im Lesejahr B) der bekannte Satz fällt: „Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe.“

Der Text steht aber auch in engem Zusammenhang mit der Stelle, die am vierten Fastensonntag gelesen wurde. An deren Ende wendet sich Jesus im Gespräch an einige Pharisäer, nachdem Jesus berichtet worden war, dass ein von ihm geheilter Blinder von den Pharisäern aus der Synagoge ausgeschlossen worden war. Nun setzt er fort: Die Schafe hören auf die Stimme ihres Hirten, der sie beim Namen nennt und kennt — so wie Gott die Menschen ruft und kennt. Der Hirt kommt zu den Schafen durch die Tür; der Dieb steigt heimlich ein, um sich der Tiere zu bemächtigen. Jesus nennt sich nun selbst die Tür, durch die der Hirte zu den Schafen kommt. Man könnte sagen, dass es sich um eine Paraphrase des Satzes handelt: „Niemand kommt zum Vater außer durch mich“. (Joh 14,6)

Manche haben mit Vers 8 gerungen: „Alle, die vor mir kamen, sind Diebe und Räuber; aber die Schafe haben nicht auf sie gehört.“ Chrysostomus betont daher, dass damit nicht die Propheten gemeint sein können — auf die die Schafe auch oft nicht gehört haben –, sondern Aufrührer, falsche Propheten. Sie wollen den Schafen das Leben in Fülle nehmen, das ihnen Jesus als Tür zur Weide eröffnet.

Vor dieser Symbolik ist es klar, warum als Antwortpsalm Psalm 22 (masoretisch 23) vorgesehen ist:

Der Herr ist mein Hirte,
nichts wird mir fehlen.
Er lässt mich lagern auf grünen Auen
und führt mich zum Ruheplatz am Wasser.
Er stillt mein Verlangen;
er leitet mich auf rechten Pfaden, treu seinem Namen.
Muss ich auch wandern in finsterer Schlucht,
ich fürchte kein Unheil; denn du bist bei mir,
dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht.
Du deckst mir den Tisch vor den Augen meiner Feinde.
Du salbst mein Haupt mit Öl, du füllst mir reichlich den Becher.
Lauter Güte und Huld werden mir folgen mein Leben lang
und im Haus des Herrn darf ich wohnen für lange Zeit.

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