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BIFIE: Wo bleibt die Ministerverantwortung?


Das BIFIE, das Bundesinstitut für Bildungsforschung, Innovation und Entwicklung des österreichischen Schulwesens, hat sich seit seiner Gründung durch Bildungsministerin Claudia Schmied wahrlich nicht ausgezeichnet. Zuerst war es vor allem ein Vehikel schulpolitischer Propaganda — Stichwort Umgang mit dem PISA-Test –, entwickelte sich in der Folge immer mehr zum Datensammler. Lehrer und Direktionen mussten Fragebogen um Fragebogen mit zum Teil höchstpersönlichen Daten von Schülern an das Institut übermitteln; die Anonymisierung würde dann im Institut erfolgen, so das Versprechen.

Seit der sogenannten Datenleck-Affäre wissen wir, dass auch das nicht stimmt. Bekanntlich hatte waren Daten von Schülern und Lehrern auf einem ungesicherten Server in Rumänien gelandet und damit im Klartext und personalisiert öffentlich einsehbar. Zuerst wurde noch von Hackern gesprochen, bald stellte sich aber heraus, dass es sich wohl eher um eine Panne einer rumänischen Tochter von Kapsch BusinessCom gehandelt hat.

Von den Problemen bei der Vorbereitung zur Zentralmatura oder den skurrilen Lese- und Rechentests, deren Ergebnisse von den Schulen nicht bekanntgegeben werden dürfen ließe sich noch einiges aufzählen. Letztlich führt aber alles zu den verantwortlichen Ministerinnen zurück: Claudia Schmied hat die Linie vorgegeben, und ihre Direktoren auch wieder entfernt, wenn sie nicht gespurt haben. Josef Lucyshyn musste das recht schmerzhaft erfahren, als sein Vertrag als BIFIE-Direktor unter fadenscheinigen Gründen gekündigt wurde; letztendlich behielt Lucyshyn vor Gericht recht und die Kündigung hatte ein teures Nachspiel für die Republik.

Gabriele Heinisch-Hosek hat daraus insofern gelernt, als sie die beiden jetzigen Direktoren als Bauernopfer nicht kündigt, sondern zum Rücktritt überredet hat — wohl mit Aussicht, dass sie nicht zu hart fallen. Als Begründung wird der Imageverlust durch die Turbulenzen bei der Zentralmatura etc. genannt. Wohlweislich wird ihnen nicht die ganze Schuld zugewiesen, denn dazu sind die beiden doch zu kurz im Amt. Letztendlich sind es aber die politischen Vorgaben, die zum gegenwärtigen Desaster geführt haben. Dazu noch eine beinharte Personalpolitik, die unter Claudia Schmied selbst Personen aus ihrer eigenen Partei eliminiert hat, wenn sie kritische Fragen zu stellen wagten. So etwas fördert den Widerspruch ja nicht gerade.

Schmied und Heinisch-Hosek sollten sich ihrer Verantwortung stellen — und es wäre Aufgabe der Medien, diese Verantwortung näher zu beleuchten.

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