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Jesus, der Weg zu sich selbst


Letzte Woche verglich sich Jesus mit der Tür zum Schafpferch, die der einzige Weg zwischen Gatter und Weide ist, diesen Sonntag wird er noch deutlicher.

„Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.“ Noch mehr: Wer ihn sieht, der sieht auch den Vater. Wie schon im Johannesprolog ist auch in dieser Stelle der Kern der Dreifaltigkeitslehre zum Greifen nahe: Vater und Sohn sind eigentlich eins, und doch verschieden. Das ist freilich für die Jünger noch starker Tobak. „Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist; wenn nicht, glaubt wenigstens aufgrund der Werke!“ sagt Jesus dem Apostel Philippus daher auch.

Damit betont der Bericht des Johannesevangeliums auch, dass die Wunder Jesu nicht Selbstzweck sind, und dass es umgekehrt kein Widerspruch zur Liebe Gottes ist, dass diese Wunder nicht zum Massenphänomen des Christentums geworden sind. Denn sie sind vor allem Zeichen, die Gottes Liebe und Hinwendung, Jesu Vollmacht bezeugen sollen. Momente, in denen der Himmel schon auf die Erde reicht.

Der berühmte Ausspruch „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben“ ist im Kontext besonders interessant. Denn Jesus befindet sich in Jerusalem und bereitet seine Jünger in einer Abschiedsrede auf sein bevorstehendes Leiden und Sterben vor. Sein Weg ist auch unser Weg, die imitatio Christi nimmt uns in Leiden, in Auferstehung, in die beim Vater bereiteten Wohnungen hinein. Und wieder kommen wir zum Gleichnis mit der Tür zurück. Dort sagt Jesus: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.“ Wenn er die Tür ist, durch die man Weide findet, ist er genauso der Weg, durch den man zum Leben kommt. Wenn er und der Vater aber in Wahrheit eins sind, und der Vater alles lebendig macht, so ist auch Jesus selbst das Leben. Er ist also paradoxerweise der Weg zu sich selbst. Klingt eigentlich ziemlich modern.

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