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Utilitaristen und Psychopathen


Ich bin schon seit langem dem Utilitarismus als moralisches Kalkül sehr skeptisch eingestellt. Was ich nicht wusste: Dass die Neigung zu einer utilitaristischen Moral in der Medizin verwendet wird, um Indizien für gewisse Schädigungen der Nerven oder des Gehirns zu finden, die zu sozialen und emotionalen Defiziten führen. Dabei konnten offenbar erfolgreich Verbindungen zwischen bestimmten Erkrankungen und einer verstärkten Zuwendung zu reiner Nutzenabwägung gefunden werden.

Beispielhaft geht es in den Fragebögen etwa darum, ob es besser ist, eine Person von einer Brücke in den Tod zu stoßen, um durch die Leiche einen herrenlosen Waggon aufzuhalten, der ansonsten zum Tod von fünf Menschen führen würde.

Im Journal „Social Cognitive & Affective Neuroscience“ ist nun ein Artikel erschienen, der utilitaristische Moralkalküle bei Psychopathen zum Thema hat. Michael Koenigs, Michael Kruepke, Joshua Zeier und Joseph P. Newman haben sich der Frage gewidmet, in welcher Beziehung Psychopathie und utilitaristische Moralurteile stehen. Die Zahl der Befragten ist, wie in psychologischen und neurologischen Fragestellungen leider regelmäßig, gering. Das liegt meist daran, dass es schwierig ist, Testpersonen zu finden, die sich mehr oder weniger freiwillig durch die Fragebatterien quälen.

Das Ergebnis ist aber durchaus einleuchtend: Primäre Psychopathen, die wenig Furcht oder Angst kennen, neigen utilitaristischen Kalkülen stärker zu als sekundäre Psychopathen, die in der Regel eher zu Angst fähig sind und emotionaler agieren.

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