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Franziskus: „Friede ist Handarbeit“


Die Reise von Papst Franziskus ins Heilige Land war in jeder Hinsicht bemerkenswert. Angefangen schon mit der historischen Begegnung des Papstes mit dem ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios I., die gerade an der Wiege des Christentums stattfand. Dabei ging es nicht nur um ein Zeichen der gemeinsamen Wurzeln und des ökumenischen Miteinanders, sondern auch um ein Zeichen der Solidarität mit den Christen im Nahen Osten, die in den letzten Jahren großen Verfolgungsdruck ausgesetzt sind, wie beide in einer gemeinsamen Erklärung betont haben.

Die Einladung von Israels Präsident Shimon Peres und dem amtierenden Leiter der palästinensischen Autonomiebehörde, Mahmud Abbas, bietet nun zu Pfingsten die Gelegenheit für ein gemeinsames Friedensgebet, das man ebenso historisch nennen darf. Im Unterschied zu unzähligen Vermittlungsrunden steht hier nicht im Vordergrund, was man für die jeweils eigene Seite herausschlagen kann, sondern vielmehr, dass man sich miteinander zum Frieden bekennt, gleichzeitig aber auch anerkennt, dass nicht alles in der eigenen Macht steht.

Wie Franziskus schon in einer resümierenden Generalaudienz gesagt hat: „Demut, Brüderlichkeit, Versöhnung – der Heilige Geist macht es uns möglich, diese Haltungen im täglichen Leben einzuüben, mit Menschen verschiedener Kulturen und Religionen, um so zu Handwerkern des Friedens zu werden. Denn der Friede ist Handarbeit; es gibt ja keine Friedens-Industrie, nein. Man muss ihn jeden Tag in Handarbeit herstellen, und mit einem offenen Herzen, damit Gott ihn schenkt.“ Das gemeinsame Friedensgebet wird keine Umwälzung des Nahen Ostens bringen — aber ein Schritt zur Öffnung der Herzen sein.

Ein wichtiges Zeichen der Reise lautet ohnehin: Gewaltopfer darf man nicht gegeneinander aufrechnen, eigene Verbrechen durch Hinweise auf andere Verbrechen oder gar göttlichen Auftrag rechtfertigen. Auch das unsägliche Vergleichen und Abwägen von Opferzahlen ergibt letztlich keinen Sinn. So kann man die Spirale der Gewalt nicht durchbrechen.

Der Text, den Papst Franziskus beim Besuch in der Shoa-Gedenkstätte Yad Vashem gesprochen und gebetet hat, ist wuchtig und berührend: „,Adam, wo bist du?‘ Da sind wir, Herr, mit der Scham über das, was der als dein Abbild und dir ähnlich erschaffene Mensch zu tun fähig gewesen ist. Denk an uns in deiner Barmherzigkeit.“ — Wer nicht im Stande ist, das Unrecht seiner Gewalt zu erkennen, wer sich selbst zum Herrn über Leben und Tod erhebt, betrügt seine Würde und das in ihm angelegte Gute. (Gottes)Erkenntnis ist der Weg zum Frieden.

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