„In Ihnen bin ich verherrlicht“


Der Sonntag nach Christi Himmelfahrt bringt einen Text aus dem Johannesevangelium, der den Abschied Jesu von seinen Schülern, seinen Jüngern, noch einmal reflektiert — diesmal chronologisch nach dem letzten Abendmahl verortet.

Warum bleibt der auferstandene Herr nicht ständig auf Erden? Warum verabschiedet er sich, wo er doch den den Tod so glorreich überwinden wird? Johannes’ Antwort ist einfach: Weil die Aufgabe seiner leiblichen Präsenz erfüllt ist, kann er sie aufgeben. Weil der Abschied kein echter Abschied sein wird, sondern eher eine Änderung der Art der Anwesenheit, ist er kein Schlussakkord, sondern die Eröffnung des nächsten Akts des Heilsgeschehens.

So heißt es im Johannesevangelium: „Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie gehörten dir, und du hast sie mir gegeben, und sie haben an deinem Wort festgehalten. […] Sie haben wirklich erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie sind zu dem Glauben gekommen, dass du mich gesandt hast. […] Alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist mein; in ihnen bin ich verherrlicht. Ich bin nicht mehr in der Welt, aber sie sind in der Welt, und ich gehe zu dir.“

Jesus hat lange genug gewirkt und gepredigt, dass seine Jünger den wahren Glauben gefunden, erkannt und angenommen haben. Sie haben dies schon vor Tod und Auferstehung Jesu getan! Folter, Kreuzigung und Sterben werden ihren Glauben schwer prüfen, und die unglaubliche Auferstehung ebenfalls; doch sie werden die Prüfung bestehen. In ihnen, in ihrem Wirken wird Jesus verherrlicht sein, der so zwar selbst zum Vater hinübergeht, aber doch auf Erden sicht- und spürbar bleibt.

Diese Rede ist im Johannesevangelium wohl mit Bedacht zu finden, denn sie gilt nicht nur den unmittelbaren Schülern Jesu, sondern der Kirche durch die Zeit. Und wie wird Jesus in uns verherrlicht? Die Leseordnung hat klugerweise einen Abschnitt aus dem 1. Brief des Petrus zur Erhellung dieses Umstands gewählt:

„Freut euch, dass ihr Anteil an den Leiden Christi habt; denn so könnt ihr auch bei der Offenbarung seiner Herrlichkeit voll Freude jubeln. Wenn ihr wegen des Namens Christi beschimpft werdet, seid ihr selig zu preisen; denn der Geist der Herrlichkeit, der Geist Gottes, ruht auf euch. Wenn einer von euch leiden muss, soll es nicht deswegen sein, weil er ein Mörder oder ein Dieb ist, weil er Böses tut oder sich in fremde Angelegenheiten einmischt. Wenn er aber leidet, weil er Christ ist, dann soll er sich nicht schämen, sondern Gott verherrlichen, indem er sich zu diesem Namen bekennt.“

Nein, wir müssen uns nicht alle in Gefahr begeben. Wir sollen auch gar nicht (schließlich sollen wir uns ausdrücklich nicht in fremde Angelegenheiten mischen!). Sondern durch unsere Worten und Taten uns zu Christus bekennen. Leider ist es nicht ganz so einfach, wie es klingt.

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Ein Gedanke zu “„In Ihnen bin ich verherrlicht“

  1. Alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist mein; in ihnen bin ich verherrlicht. Ich bin nicht mehr in der Welt, aber sie sind in der Welt, und ich gehe zu dir.“ Das ist einer jener wunderbaren Perikopen bei Johannes, bei denen ich jedesmal Gänsehaut bekomme

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