Startseite » Politik » Zur Abdankung des Königs von Spanien

Zur Abdankung des Königs von Spanien


Die Abdankung von Johann Karl I. als König von Spanien1 — der übrigens traditionellerweise auch den Titel des Königs von Jerusalem trägt — rückt einen der Monarchen in den Mittelpunkt, der gezeigt hat, wofür eine Monarchie gerade heute gut sein kann.

Es ist unbestritten, dass er maßgeblichen Anteil an der Demokratisierung Spaniens nach der Franco-Ära hatte und durch seine persönliche Autorität 1981 einen Militärputsch stoppen konnte. Trotz aktueller wirtschaftlicher Krise ist der Kurs Spaniens seit 1975 durchaus erfolgreich gewesen, und gerade die Krise zeigt, dass Spaniens Demokratie gefestigt ist. Dazu hat die einigende Klammer des Königs viel beigetragen. Zwar konnte er separatistische Bestrebungen nicht verhindern, doch die tiefe politische Spaltung Spaniens soweit überwinden helfen, dass sich die Antagonie auf die Wahlarena beschränkt. Bis die Sozialisten unter Zapatero nach links gerückt waren, war das Verhältnis der Sozialisten zum Königshaus ausgezeichnet.

Die Aufgaben eines Königs in der modernen Mediengesellschaft sind zum Teil andere als früher geworden. Diesen Wandel hatte Johann Karl nicht mehr mitvollziehen können, was zu einigen unschönen Vorfällen geführt hat. Dazu hatte er schon längere Zeit gesundheitliche Probleme, wie man auch im Video seiner Rede zur Abdankung bemerkt. Die Übergabe an Kronprinz Philipp, der als König Philipp VI. sein wird, war daher ein sinnvoller Schritt, um nach 39 Regierungsjahren abzutreten, solange die Nachrede gut ist, wie man so schön sagt.

Hier kann man die Fernsehansprache des Königs sehen:

Zu behaupten, Kronprinz Philipp sei quasi ein arbeitsloser 45jähriger, der jetzt sogar König werde, ist im übrigen eine glatte Lüge. Im Gegensatz zu manchen Unkern der Twitteria ist Kronprinz sogar ein ziemlich anstrengender Beruf: Man steht heutzutage unter ständiger Medienbeobachtung, selbst dann, wenn man beschließen sollte, man wolle aussteigen. Jede Patronanz, jedes Projekt, jede Rede, jede Audienz kann zum Politikum werden. Die Erwartungen an einen sind sehr hoch — und wehe, man war vielleicht nicht freundlich genug, hatte keinen passenden Small talk parat etc. Zu behaupten, Kronprinz Philipp sei quasi ein arbeitsloser 45jähriger, der jetzt sogar König werde, ist im übrigen eine glatte Lüge.


  1. Er wird bei uns zwar meist in der kastilischen Form Júan Carlos geführt; im multilingualen Königreich Spanien wird er aber auch Jon Karlos, Joan Carles etc. genannt. Solange König Ludwig XIV. von Frankreich bei uns nicht Louis genannt wird, darf Júan Carlos ruhig auch einmal Johann Karl heißen. 

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s