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Zum Dreifaltigkeitssonntag


Der Dreifaltigkeitssonntag stellt schwere Kost dar, weil die Dreifaltigkeit selbst schwere Kost darstellt. In welchem Verhältnis stehen Gott Vater, Gott Sohn, Gott Heiliger Geist, die doch ein und dasselbe sind, vollkommen eins, und doch übereinander sprechen können, wie Jesus etwa über den Heiligen Geist als Beistand spricht oder über seine Rückkehr zum Vater im Himmel. Andererseits –– das Johannesevangelium ist hier vielleicht am deutlichsten — finden sich viele Hinweise auf diese Einheit bereits in der Heiligen Schrift selbst. So heißt es ja im Johannesprolog: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.“ Oder bei Lukas: „Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten.“

Augustinus versucht es im „Gottesstaat“ so darzustellen:

Wir halten im Glauben fest und verkünden unentwegt, daß der Vater das Wort erzeugt hat, d. i. die Weisheit, durch die alles erschaffen worden ist, den eingeborenen Sohn, der Eine den Einen, der Ewige den gleich Ewigen, der unerreichbar Gute den gleich Guten; und daß der Heilige Geist zumal sowohl des Vaters als auch des Sohnes Geist ist; auch er gleichwesentlich und gleichewig den beiden; und daß dieses Ganze einerseits eine Dreifaltigkeit ist wegen der Besonderheit der Personen, andrerseits der eine Gott wegen der untrennbaren Gottheit, sowie der eine Allmächtige wegen der untrennbaren Allmacht, jedoch so, daß auch, wenn man nach dem einzelnen fragt, die Antwort lautet: Jeder von ihnen ist sowohl Gott als auch allmächtig; und wenn nach allen zumal: Es gibt nicht drei Götter oder drei Allmächtige, sondern nur einen allmächtigen Gott; so vollständig ist hier in dreien die untrennbare Einheit, und so will sie verkündet werden.

Diese Dreifaltigkeit findet sich mit etwas gutem Willen bereits im Alten Testament, wie Augustinus in den „Bekenntnissen“ an Hand der Schöpfungsgeschichte erläutert:

Sieh, geheimnisvoll tritt mir entgegen die Dreifaltigkeit, und die bist du, mein Gott; denn du, o Vater, hast im Anfange unserer Weisheit, die deine, aus dir geborene, dir gleiche und gleichewige Weisheit ist, d, h. in deinem Sohne, Himmel und Erde geschaffen. Viel haben wir bereits vom Himmel des Himmels, von der gestaltlosen und leeren Erde und dem finsteren Abgrunde mit Bezug auf die haltlose und irrende Gestaltlosigkeit der geistigen Schöpfung gesagt; und diese wäre ja darin verblieben, hätte sie sich nicht zu dem hingewandt, von dem jegliches Leben herrührt; jetzt erst wurde sie durch die Erleuchtung zu einem Leben voll Schönheit und zu dem Himmel des Himmels, der später zwischen Wasser und Wasser gesetzt ward. In dem Namen „Gott“ fand ich bereits den Vater, der dieses geschaffen, und den S o h n in jenem „Anfang“, in dem er es geschaffen. Und da ich an die Dreifaltigkeit meines Gottes glaubte, suchte ich diesem Glauben gemäß weiter in seiner Heiligen Schrift, und siehe: „Dein G e i s t schwebte über den Wassern“. Siehe, da ist ja mein dreifaltiger Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist, der Schöpfer der gesamten Schöpfung.

An der Wesenseinheit Jesu Christi mit dem Vater hängt die Bedeutung des Kreuzesopfers und der Kommunion: Gott selbst, der eine, vollkommene, wird Mensch (etwas Partikuläres, Unvollkommenes!), nimmt Leiden und Tod auf sich. Gott selbst schenkt sich uns in der Eucharistiefeier durch Jahrhunderte in Verbindung mit dem letzten Abendmahl. Das ist ein Geheimnis des Glaubens: Nicht, weil es geheim gehalten wird, sondern weil es unseren beschränkten Verstand übersteigt.

4 thoughts on “Zum Dreifaltigkeitssonntag

    • Kurze Antwort: Was ist eindeutig? Finde drei Theologen, und sie werden selbst den Satz „Da ging Jesus mit ihnen“ so zerreden können, dass man sich nicht mehr sicher ist, ob Jesus überhaupt gehen konnte. –– Der zitierte Johannesprolog ist ein klarer Beleg, wie frühe christliche Autoren versuchten, die Einheit Jesu und des Vaters darzustellen; im Johannesevangelium wird diese Einheit etwa in Kapitel 14 stark herausgestellt. Auch Paulus geht von der Einheit von Sohn und Vater aus und verwendet etwa im 2. Korinterbrief zum Abschied eine trinitarische Segensformel. Der erste Petrusbrief beginnt mit einer solchen. In den Synoptikern findet sich etwa der Taufbefehl in Mt 28,19, der die Taufe auf den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist nennt, dessen Authentizität aber aus inhaltlichen Gründen gerne bestritten wird. Die ältesten Textzeugen weisen aber die trinitarische Formel auf. Längere Antworten z.B. in der Catholic Encyclopedia, oder die hier gelisteten Textstellen.

      • Es gibt doch aber auch Bibelstellen, in denen Jesus Christus eindeutig aussagte, dass er sich dem Vater unterordnete, z.B. Matth. 26 V. 39 (EÜ): …“gehe der Kelch an mir vorüber. Aber nicht wie ich will, sondern wie Du willst.“ Wie passt das zur Trinität? Weitere Texte kann ich gerne nachreichen.

      • Diese Debatte wurde im frühen Christentum sehr intensiv geführt, gerade in der Ausformulierung und Entfaltung der Trinitätslehre. Sie ist auch eng mit der Frage der Natur Christi verbunden, besonders der Relation des Menschseins und Gottseins. Dafür sind am besten Lektüren von Irenäus von Lyon (Gegen die Häresien), oder Augustinus (besonders Über die Dreifaltigkeit) zu empfehlen. Antike Evangelienkommentare gehen in der Regel auf diese Problematik an entsprechenden Stellen ebenso näher ein. Auf deutsch sind viele dieser Texte mittlerweile in der Bibliothek der Kirchenväter der Universität Freiburg in der Schweiz unter http://www.unifr.ch/bkv online.

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