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Zum Durchdenken 18


Il se flattait d’être sans préjugés, et cette prétention était à elle seule un gros préjugé.
— Anatole France (*1844 † 1924)

Er schmeichelte sich, ohne Vorurteile zu sein, und dieser Anspruch war für sich allein ein krasses Vorurteil.

Der Literaturnobelpreisträger Anatole France war eine schillernde Figur. Ein fruchtbarer Autor, der in fast jedem Genre zu Hause war, vom großen Roman über historischen Abhandlungen, Erzählungen der Versepen bis hin zu politischen Essays. Ein Linker, der in der Tradition des französischen Antichristianismus stand, sich im Alter schließlich dem Kommunismus zuwandte. Mitglied der Académie française. Gelobt von Friedrich Nietzsche und Kurt Tucholsky. Doch auch der konservative Sprachwissenschafter Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff, der mit Nietzsche einen scharfen philologischen Streit ausfocht, nannte France den letzten französischen Schriftsteller, den er noch mit Bewunderung habe lesen können.

France setzte viele zitierfähige Sätze in die Welt. Seine Ironie, mitunter auch Sarkasmus, leuchten auch durch ideologiegetränkte Passagen durch, wie in seiner berühmten Formulierung: „Das Gesetz in seiner erhabenen Gleichheit verbietet es Reichen wie Armen, unter den Brücken zu schlafen, auf den Straßen zu betteln und Brot zu stehlen.“

Der obige Satz ist jedenfalls eine scharfsinnige Beobachtung, die man sich immer wieder ins Gedächtnis rufen sollte.

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