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1500 Jahre Abtei Sankt Mauritius


Abtei Sankt Mauritius im Wallis

Abtei Sankt Mauritius im Wallis


Die im Schweizer Wallis gelegene Abtei Sankt Mauritius, heute eher unter ihrem französischen Namen Abbaye de Saint-Maurice bekannt, feiert am 22. September 2015 1500 Jahre durchgehenden Bestand. Es ist damit das älteste europäische Kloster, das auf eine solche ununterbrochene Tradition zurückblicken kann. Weil es doch ein sehr großer und bedeutender Geburtstag ist, hat die Abtei die Feierlichkeiten bereits im März mit einer Ausstellung der Reliquiaren und des Abteischatzes in Paris eröffnet, der Einweihung einer neuen Märtyrerkapelle für die Reliquien der Thebäischen Legion, deren Anführer der hl. Mauritius war, und der Eröffnung eines Videowettbewerbs unter dem Motto „Bereit, dein Leben zu verschenken?“.

Es folgt ein intensives sprituelles Programm, das auch die langjährige Bedeutung von Sankt Mauritius als Wallfahrtsort hervorheben soll, um das Film, Musik und Diskussionen gruppiert sind. Mehr dazu kann man auf der eigens eingerichteten Website abbaye1500.ch vornehmlich auf Französische lesen.

Der Ort, früher Agaunum, war schon vor der Klostergründung ein Wallfahrtsort, an dem die sogenannte Thebäische Legion zur Zeit des Diokletian hingemetzelt worden sein soll, weil sie dem christlichen Glauben angehört habe. Verschiedene Historiker haben verschiedene Einheiten identifiziert, die dafür in Frage kommen würden, von Legionen, die Diokletian und Maximinian Ende des 3. Jh. frisch aufgestellt hätten bis zu berittenen Hilfstruppen. Andere bestreiten die Tat, weil sie in manchen Quellen nicht vorkomme, die sie doch erwähnen müssten.

Man darf dabei allerdings drei Dinge nicht vergessen: Die Legion wurde zu Diokletians Zeit oft eher als verwaltungstechnische Einheit betrachtet, während in der Praxis kleinere Abordnungen, die Vexillationen, eingesetzt wurden. Zweitens darf man von Erzählungen darüber in der Regel keine militärisch extakte Bezeichnungen oder Zahlenangaben erwarten, die Schreiber wie Leser nicht geläufig waren; als Kern

bleibt die Vernichtung einer größeren militärischen Einheit aus dem stark christianisierten Osten des Reiches. Drittens ist in den blutigen Kriegen und Bürgerkriegen jener Zeit der Untergang einer solchen Abordnung nicht unbedingt von solcher Tragweite, wo sich doch z.T. sogar die Spuren ganzer Großverbände verlieren.

Die Abtei wurde dann vom hl. Sigismund († 523/524) gegründet, König der Burgunden, nachdem er vom hl. Avitus von Vienne zum katholischen Glauben bekehrt worden war. Später verdächtigte er seinen Sohn Sigrich aus erster Ehe auf Anstiftung seiner zweiten Frau des geplanten Aufstandes und ließ ihn töten; der Überlieferung nach musste er dann aber bemerken, einer Intrige zum Opfer gefallen zu sein und zog sich in das Kloster zur Buße zurück. Bald darauf sollte er Reich und Leben gegen die Franken verlieren.

Das von Sigismund reich ausgestattete Kloster nahm aber weiter eine bedeutsame Rolle ein, war einige Zeit im 9. Jahrhundert gar königliche Residenz. Das Kloster führte im 6. Jahrhundert auch das laus perennis in die Westkirche ein: Die Mönche wurden in fünf Chöre eingeteilt, die über den Tag verteilt zu verschiedenen Zeiten das Chorgebet verrichtetet, so dass dass fortwährend gebetet wurde. Diese Praxis wurde einige Jahrhunderte beibehalten. Seit vielen Jahrhunderten sind es nicht mehr Mönche, sondern Augustiner-Chorherren, die das Kloster bewohnen, und so hat sich auch der Schwerpunkt verlagert, hin zu Seelsorge — besonders in den Pfarreien der Territorialabtei — und Bildung.

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