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MH17: Ein unspektakulärer Zwischenbericht


Der Zwischenbericht zum Absturz des Flugs MH17 ist so spektakulär, dass die deutsche Satire-Website „Postillon“ dazu wohl treffender als andere Medien folgende Überschrift fabriziert hat: „Spektakulärer Zwischenbericht: Flug MH17 vermutlich abgestürzt“. Manche halten das für pietätlos. Doch der echte erste Zwischenbericht, den der niederländische Untersuchungsrat für Sicherheit veröffentlicht hat, ist nicht wirklich aufregender.

Das nimmt vielleicht kein Wunder, wenn man die Einleitung liest. Zum ersten hätte nach den Regeln der Zivilluftfahrt die Ukraine die Untersuchung durchführen sollen, übergab diese aber den Niederlanden. Eine Untersuchung, die vor allem dem Zweck dient, technische oder Bedienungsfehler ausfindig zu machen, die man künftig vermeiden sollte. Solche Maßnahmen sind bei einem Abschuss freilich schwer auszumachen.

Schließlich wurde der Entwurf des Berichts an Vertreter von Malaysia (Flugzeugbetreiber), der Ukraine (Absturzort), Russlands, Großbritanniens , der Vereinigten Staaten (Flugzeughersteller) und Australiens (27 Opfer) zur Stellungnahme geschickt und deren Bemerkungen dann eingearbeitet.

Der Bericht bestätigt vielmehr, was auch kaum jemand bestritten hat. Die Flugroute war offenbar von den ukrainischen Behörden freigegeben gewesen, wiewohl tiefere Flugbahnen wegen der Kämpfe gesperrt waren. Drei weitere kommerzielle Flugzeuge waren im gleichen Luftraum unterwegs, das nächste in einer Distanz von 30 km zum Flug MH17. Der russische Bericht über ein ukrainisches Militärflugzeug in unmittelbarer Nähe wird weder widerlegt noch bestätigt, da über andere Flugzeuge als kommerzielle keine Aussage getroffen wird.

Das Transkript der Kommunikation zwischen Bodenstation und Flugzeug um die Absturzzeit zeigt, dass das Flugzeug während der Kommunikation mit der Flugleitstelle abgeschossen wurde. Die Piloten haben sich bis dahin völlig korrekt verhalten. Die nicht veröffentlichte Crew-Kommunikation soll keine Hinweise auf Probleme gegeben haben.

Interessant ist vielleicht der Hinweis auf den stark bewölkten Himmel. Vom Boden aus war also beim besten Willen das Flugzeug mit optischen Mittel nicht sichtbar. Dass das Flugzeug durch von außen eindringende Objekte getroffen wurde — zum Teil von oben — und daher auseinanderbrach, ist dagegen wohl schon bisher von kaum jemandem bezweifelt worden.

Im Ergebnis hat aber wieder der „Postillon“ recht: „Sowohl die Nato, die Ukraine als auch die ostukrainischen Separatisten und Russland erklärten, der Bericht stütze ihre eigenen Theorien und widerlege eindrucksvoll die substanzlosen Behauptungen der Gegenseite.“

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