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Malthus, Brot und Spiele


Die düsteren Prognosen des Thomas Malthus — die er selbst später teilweise verwarf — sind auch heute noch weit verbreitet: Zumindest in vorindustriellen Gesellschaften wäre steigender Wohlstand langfristig nicht möglich, da alle Produktivitätsgewinne von Bevölkerungsgewinnen aufgezehrt würden. Malthus formulierte das als Bevölkerungsgesetz, dessen Wirkung nur durch gesellschaftliche bzw. staatliche Regulierung der Fruchtbarkeit zu mildern wäre. Ansonsten wären Hungersnöte, Kriege und Armut das Schicksal der Menschen.

Dem ist allerdings der historische Befund entgegenzuhalten, dass die Lebensqualität im Laufe der Jahrhunderte durchaus Wandlungen unterworfen war. Das Leben im Wien des Frühbarock war etwa für einen Tischler trotzdem komfortabler als eines Kollegen aus der ausklingenden Völkerwanderungszeit. Viele ökonomische Modelle für die vorindustrielle Zeit folgen trotzdem eher dem malthusianischen Ansatz und kommen zum Ergebnis, es habe kein oder kaum ein Wirtschaftswachstum gegeben.

Ein Team von Ökonomen — Lemin Wu, Rohan Dutta, David K. Levine, Nicholas W. Papageorge — haben es unternommen, diesen Widerspruch in einem einfachen Modell aufzulösen, in dem sie zuerst zeigen, dass eine bestimmte, nicht realitätsnahe Produktionsfunktion für das Malthus-Ergebnis notwendig ist. Dann demonstrieren sie an einem einfachen Zwei-Güter-Modell, bei dem ein Gut für das Überleben notwendig ist — Brot — und das andere der Unterhaltung dient — Spiele –, wie selbst bei malthusianischer Bevölkerungsentwicklung der Wohlstand mit fortschreitender Technologie steigt.

Eigentlich ist es ja naheliegend. So ist vom Frühmittelalter bis zur Industrialisierung der Anteil der Menschen in Europa, die nicht primär von der Landwirtschaft leben, ständig gestiegen. Sie haben sich stattdessen auf verschiedene Berufe spezialisiert. Diese Arbeitsteilung hat wiederum die Versorgung der Menschen mit Nicht-Lebensmitteln laufend verbessert. Würde man den Wohlstand oder die Lebensqualität dagegen nur in Lebensmitteln ausdrücken, so hätte freilich keine oder kaum eine Verbesserung stattgefunden.

Oder, wie es im Paper am Schluss heißt: „It is sometimes remarked that a medieval king would envy the life-style of even a relatively poorly-off citizen of the modern world. Not, however, because we eat so much better.“

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