Gib dem Schutzengel eine Chance


Beim Thema Schutzengel denkt man heute oft eher an kitschige Kinderbücher und kleine Putten, die irgendwie herumschweben. Oder Esoteriker, die mit Energiesteinen und sonstigen herumhantieren. Doch der Glaube an Schutzengel ging einmal und geht bei vielen Menschen auch heute noch tiefer. Nicht umsonst steht im liturgischen Kalender für den 2. Oktober das Schutzengelfest eingetragen.

Engel, Boten Gottes, kommen im Alten Testament mehrfach vor, vom Buch Genesis bis zum viel späteren Buch Daniel. Im Psalm 90 (MT: 91) wird davon gesprochen, dass Engel Gottes den Beter auf all seinen Wegen beschützen. Die Idee, dass jeder Mensch einen eigenen Schutzengel haben könnte, wurde etwa vom Kirchenvater Hieronymus vertreten und von Thomas von Aquin in der Summa Theologiae diskutiert. Dabei spielt die folgende Stelle aus dem Evangelium nach Matthäus eine besondere Rolle:

Ὁρᾶτε μὴ καταφρονήσητε ἑνὸς τῶν μικρῶν τούτων· λέγω γὰρ ὑμῖν ὅτι οἱ ἄγγελοι αὐτῶν ἐν οὐρανοῖς διὰ παντὸς βλέπουσιν τὸ πρόσωπον τοῦ πατρός μου τοῦ ἐν οὐρανοῖς. — Mt 18,10

Seht zu, dass ihr nicht über einen der kleinen dieser gering denkt; denn ich sage euch, dass ihre Engel in den Himmeln allezeit das Antlitz meines Vaters schauen, der in den Himmeln ist. (eigene Übersetzung)

Die gesonderte Fürsprache bei Schutzengeln ist bereits früh nachweisbar. Die Idee eines eigenes Festes wurde aber erst im 16. Jahrhundert populär. 1579 soll das Bistum von Cordoba ersucht haben, ein Schutzengelfest feiern zu dürfen, kurz darauf auch Toledo und Valencia. Auf Bitte der Habsburger wurde das Fest für die habsburgischen Lande obligatorisch; ansonsten war es ad libitum am ersten freien Tag nach St. Michael zu feiern. Schließlich wurde es 1670 allgemein obligatorisch und auf den 2. Oktober gelegt. Das Fest ist in gewisser Weise eine Aufdopplung zum Michaelsfest, bei dem ja auch der anderen Engel gedacht wird.

Der Schutzengel ist Manifestation eines wichtigen Gedanken: Gott lässt uns nie allein. Seine Hilfe ist immer bei uns. Ob wir sie aber annehmen, auf uns wirken lassen — das ist eine andere Frage. Im Salzkammergut gibt es zur Warnung für Motorradfahrer Plakate mit dem Spruch: „Gib Deinem Schutzengel eine Chance!“ Genauso ist es.

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