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Jean Tirole


Der neue Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften1 war außerhalb von Fachzirkeln vor der Bekanntgabe des Preises wenig bekannt. Jean Tirole? Auf österreichischen Twitterkanälen folgten gleich einmal Tiroler Witze, z.B:

Jean Tirole © Studio Tchiz/TSE

Jean Tirole © Studio Tchiz/TSE

Aber Jean Tiroles Arbeit selbst begegnet uns auf Schritt und Tritt, wenn wir zu einem günstigeren Mobilfunkanbieter wechseln, ein besseres Stromangebot entdeckt haben. Oder wenn wir uns fragen, ob Facebook reguliert werden sollte. Denn der 1953 in französischen Troyes geborene Tirole arbeitet seit Jahren im Bereich der Industrieökonomie, die sich u.a. mit der Struktur und Organisation von Industriezweigen bzw. ihren Märkten beschäftigt. Tirole hat bald festgestellt, dass es nicht eine beste Methode gibt, um Monopole oder Oligopole so zu regulieren, dass sie einerseits einen Mehrwert für die Konsumenten schaffen und andererseits selbst genügend Ressourcen haben, ohne ihre Marktmacht übermässig auszunutzen.

Diese technischen Überlegungen wurzeln aber auch in der in Frankreich eher unpopulären Überzeugung, dass die Antwort auf Marktversagen nicht zu erst einmal die Übernahme des Marktes durch den Staat ist. Denn auch der Staat kann bekanntlich aus verschiedenen Gründen versagen. Stattdessen soll eine klare, faire Regulierung die Marktkräfte — also eigentlich: unser menschliches Verhalten — dafür nützen, die bestmögliche Versorgung mit dem jeweiligen Gut zu ermöglichen. Dabei wurden in der Industrieökonomie sehr intelligente Modelle entwickelt, die sich in der Praxis mittlerweile auch schon bewährt haben. Im Endeffekt geht es immer darum, die Anreize für die Unternehmen, aber auch die Regulierungsbehörde (!) richtig zu setzen, um Wettbewerb, Innovation und Qualität zu ermöglichen.

Einige der Einsichten Tiroles kann man in dieser knackig-kurzen Kolumne lesen, die er 2007 über eine Reform des französischen Staatssektors geschrieben hat. Einen Überblick über online verfügbare Artikel Tiroles kann man bei RepEC gewinnen. Die Website des Nobelpreises selbst ist ein guter Anfangspunkt, um sich einen Überblick über Tiroles Werk zu verschaffen. Der launige Artikel in der FAZ ist wohl ebenfalls kein schlechter Einstieg.


  1. Ja, ich weiß schon: Eigentlich der Preis der Schwedischen Reichsbank im Andenken an Alfred Nobel. Aber seien wir ehrlich: Das ist doch viel zu lang. 

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