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Job zu Allerseelen


Alles verloren. Zuerst nur den Besitz. Dann sogar die eigenen Kinder. Zuletzt die Gesundheit des eigenen Leibes. Von den eigenen Verwandten geschnitten, sogar selbst für sein ganzes Unglück verantwortlich gesehen. Das ist Job oder Hiob. Und ausgerechnet am Allerseelentag kann er einem in der Liturgie wieder begegnen. Trotz aller furchtbaren Ereignisse, die er in seiner Rede auch anführt, proklamiert Job — ich zitiere etwas länger als die Perikope ist — voller Zuversicht:

14 Es meiden mich meine Verwandten, es vergessen mich meine Vertrauten. 15 Die Hausgenossen sehen mich wie einen Fremden an, in den Augen meiner Mägde ward ich zum Fremdling! 16 Ich rufe meinen Knecht – er gibt keine Antwort; flehentlich muß ich ihn bitten. 17 Zum Ekel ist meiner Frau mein Atem, mein Gestank den Söhnen meiner Mutter. 18 Es verachten mich sogar die Kinder, trete ich wo auf, verspotten sie mich. 19 Es verabscheuen mich meine Vertrauten, und die ich liebte, wenden sich gegen mich. 20 An meiner Haut, an meinem Fleisch klebt mein Gebein; es bleibt mir nur die Haut an meinen Zähnen. 21 Erbarmt euch! Meine Freunde, habt mit mir Erbarmen, denn getroffen hat mich die Hand Gottes. 22 Was verfolgt auch ihr mich wie Gott, werdet nicht satt, mich zu zerfleischen? 23 O, schriebe man doch meine Worte auf, trüge man sie doch in ein Buch ein; 24 wären sie doch in den Felsblock für immer eingemeißelt mit Eisengriffel und mit Blei! 25 Ich weiß, daß mein Erlöser lebt. Von der Erde werde ich am letzten Tage auferstehen. 26 Dann wird meine Haut wieder um mich sein, und schauen werde ich Gott in meinem Fleisch. 27 Ja, ich selber werde ihn schauen! – Doch werden ihn meine Augen nicht mehr sehen als Gegner! – Danach sehnen sich in mir meine Nieren. 28 Wenn ihr noch denkt Wir setzen ihm zu! – denn in mir sei der Grund des Schicksals zu finden -, 29 so seid vor dem Schwert auf der Hut; denn das Schwert ist Rächer der Schuld! Bedenkt, es lebt noch ein Richter!
— Ijob 19,14-28 nach der Henne-Rösch-Ausgabe

Er weiß, dass sein Erlöser lebt, obwohl er gerade diesen Erlöser selbst für sein Leid verantwortlich macht. Doch Jobs Glauben ist von unerschütterlich tiefer Zuversicht. Die Zuversicht, dass unser Erlöser lebt, trägt uns auch zu Allerseelen. Anders als Job ist diese Zuversicht vielleicht nicht so unerschüttlich. Und anders als Job sind wir selbst — und auch die Menschen, für die wir beten — oft mit klar benennbarer Schuld belastet.

Allerseelen ist ein Tag des Andenkens und des Gebets an die armen Seelen, die Menschen, die nach dem Tod einer Reinigung, Läuterung bedürfen. Wie wir wohl auch selbst einmal sein werden. Aber es ist dabei ein Tag der Freude: Denn Gott verstößt diese „armen Seelen“ eben nicht, obwohl die Betroffenen keine Heiligen waren, wie man so sagt.

Das Purgatorium oder Fegefeuer, ein Begriff, der die Reinigung der Seelen vorstellbar machen soll, ist keine Drohung, sondern eine Hoffnung, dass Gott uns trotz all unserer Fehler, unserer Sünden retten wird. Allerdings wird die Erkenntnis dieser Fehler, das Bekenntnis dieser Schuld wohl ein schmerzhafter Vorgang sein, wie es Selbsterkenntnis meistens ist. Das kann man übrigens im Buch Job ebenfalls nachlesen.

Daher wird unsere erhoffte Auferstehung vielleicht auch zuerst ein Tag der Tränen sein, wie es im berühmten „Dies irae“ heißt. Doch am Ende steht Gottes Barmherzigkeit, wie es in der Offenbarung des Johannes geschildert wird:

4ab Er wird jede Träne von ihren Augen wegwischen. Der Tod wird nicht mehr sein, weder Trauer noch Klage noch Schmerz wird mehr sein.

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