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4. Dezember: Die heilige Barbara


Am 4. Dezember ist es vielerorts üblich, Zweige von Kirschbäumen, Forsythien oder anderen geeigneten Gewächsen zu schneiden und zu Hause ins Wasser zu stellen. In der warmen Stube fangen diese Zweige spätestens zu Weihnachten zu blühen an und bezeichnen den Segen, der in der dunklen Winternacht aufblüht. Manche wollten sie freilich auch als Orakel nutzen, um mit den Zweigen Lottozahlen vorherzusagen oder zumindest die Ernte des kommenden Jahres.

Diese Barbarazweige sind ein alter Brauch, der auch als Vorläufer des Christbaums gelten mag. Denn die Zweige wurden und werden gerne geschmückt. In manchen Gegenden war der Barbaratag auch eine Gelegenheit für Geschenke, obwohl die Geschichte der Heiligen dafür wenig hergibt.

Der Überlieferung nach war die hl. Barbara — was soviel heißt wie „die Fremde“ — die Tochter eines reichen Heiden namens Dioscorus aus Nikomedien. Sie selbst soll wunderschön gewesen sein. In der „Legenda Aurea“ wird das durch Doppelung besonders betont: „cui erat filia speciosissima nomine Barbara. Ipsa autem quia erat corpore pulcherrima …“ — wohlgestaltete und überaus schön. Deshalb sperrte sie der Vater auch aus Sorge über die möglichen Verehrer weg, die eine reiche und schöne junge Frau so anziehen könnte. Die Zeit nutzte Barbara zum Schrecken des Vaters, um Christin zu werden. Sie soll auch mit dem dem Gelehrten Origenes († ~ 254)korrespondiert haben. Der Vater war erzürnt und lieferte die Tochter im Zuge einer Christenverfolgung an den Statthalter aus, der sie grausam foltern ließ. Sie aber blieb standhaft bei ihrem christlichen Glauben. Des nachts soll ein helles Licht ihre Gefängniszelle erleuchtet haben, Christus selbst ihr erschienen sein und ihre Wunden geheilt haben. Die Standhaftigkeit der Barbara soll auch die hl. Juliana ermutigt haben, sich zu bekennen. Beide wurden schließlich nach weiteren Mißhandlungen hingerichtet. Der Vater Barbaras, der die Hinrichtung selbst vollzog, wurde vom Blitz erschlagen und war dabei zu Staub (lateinisch pulvis) zerfallen.

Nikomedien wurde 286 zur östlichen Residenz des römischen Kaisers erhoben und blieb Residenzstadt, bis Konstantin der Große das wenig entfernte Byzantium unter dem Namen Konstantinopel in diese Rolle erhob. Es könnte sein, dass das Martyrium der hl. Barbara deswegen in der Legenda Aurea in der Zeit des Kaisers Maximinus Daia angesiedelt ist, da dieser in Nikomedien residierte und die Christen blutig verfolgen ließ. Beispielhaft dafür ist das Martyrium des Bischofs Anthimos und seiner Gefährten: Dabei soll u.a. eine Kirche in Nikomedien während eines weihnachtlichen Gottesdiensts niedergebrannt worden sein. Eine Technik, die sich in islamistischen Kreisen auch heute großer Beliebtheit erfreut.

Man nimmt aber an, dass Barbara von Nikomedien schon unter Maximinus Thrax († 238) das Martyrium erlitten haben könnte, und eine spätere Verwechslung daraus Maximinus Daia machte. Das würde auch besser zur Korrespondenz mit Origenes passen. Eine andere Überlieferung siedelt ihr Martyrium unter Galerius in Heliopolis an, entweder dem ägyptischen oder dem syrischen Ort dieses Namens. Dies wird z.B. vom Menologion des byzantinischen Kaisers Basileios II. berichtet. Allerdings hieß Maximinus Daia mit vollem Namen Gaius Galerius Valerius Maximinus, so dass sich eine mögliche Verwechslung leicht erklären ließe.

Barbara wird entweder mit dem Turm, in dem sie eingesperrt war, oder mit Hostie und Kelch dargestellt. Sie gilt als Schutzpatronin gegen einen unvorbereiteten Tod. Auch als Schutzpatronin des Bergbaus, der Artillerie (pulvis!), gegen Blitzschlag, der Mauerer und anderer wird sie oft um Fürsprache gebeten. Mit der hl. Margarete und der hl. Katharina gehört sie zu den drei weiblichen Heiligen unter den vierzehn Nothelfern. Das kann man sich auch mit dem Spruch merken: „Barbara mit dem Turm, Margareta mit dem Wurm, Katharina mit dem Radl – das sind die heiligen drei Madl.“

Allen Barbaras alles Gute zum Namenstag!

2 thoughts on “4. Dezember: Die heilige Barbara

  1. … von Herzen …
    M.M.


    Barbarazweig

    Du brauner Zweig im Blütenkleid,
    mein Herz kannst du bewegen,
    denn in der kalten Winterzeit,
    bringst du mir Freud entgegen.

    © Monika-Maria Ehliah Windtner

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