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Die drei Gräber des Nikolaus


Grab des hl Nikolaus in Bari © LooiNL

Grab des hl Nikolaus in Bari © LooiNL

Der hl. Nikolaus von Myra ist einer der ersten Menschen, die als Heilige verehrt wurden, obwohl sie keine Märtyrer waren. Wir wissen nicht viel über ihn, doch die zahlreichen lesenswerten Geschichten, die sich um ihn ranken, weisen auch auf einen Menschen hin, der seine Umgebung tief beeindruckt hat. Vieler dieser Legenden kann man auf der Website nikolaus-von-myra.de lesen.

Auch die Reliquien des hl. Nikolaus können eine Geschichte erzählen. Als moslemische Heere nach der Schlacht bei Manzikert in Kleinasien weiter vorrückten, wuchs die Sorge um das Schicksal des Grabes des hl. Nikolaus, so die eine Variante. Myra wurde jedenfalls in jener Zeit von den Seldschuken erobert. Die italienische Stadt Bari suchte nach einer Möglichkeit, ihr Schicksal zu verbessern, und erhoffte sich vom Patron der Seefahrer und Kaufleuten einen Vorteil, die andere. Jedenfalls machten sich rund fünf Dutzende Männer aus Bari 1087 auf dem Weg nach Myra und raubten die Gebeine des hl. Nikolaus aus dem Grab in der dortigen Kirche. Am 9. Mai des Jahres kamen sie in Bari an, und noch heute wird dieser Tag in der Stadt besonders gefeiert. Unter anderem wird das sogenannte Manna des Nikolaus, eine Flüssigkeit, die aus dem Grab tritt, an diesem Tag eingesammelt. Diese Flüssigkeit heißt in der Orthodoxie übrigens doppeldeutig Myron genannt, einerseits, weil das Wunder schon in Myra aufgetreten war, und andererseits für das griechische Wort μύρον für Salböl.

Doch auch die Venezianer haben ein Grab des hl. Nikolaus, nämlich in San Nicolò am Lido. Denn im Jahr 1100 landeten Venezianer im Zuge des Ersten Kreuzzugs in Myra und nahmen die Gebeine dreier Bischöfe von Myra mit: Vom hl. Theodor, Nikolaus und seinem gleichnamigen Onkel. Das ist heute weniger bekannt; doch für die Seefahrernation Venedig war Nikolaus freilich sehr bedeutend. Er wurde zum Schutzpatron der Flotte erwählt, und vor der Kirche wurde nach feierlicher Schiffsprozession zum Lido hin die die Zeremonie der symbolischen Vermählung Venedigs mit dem Meer durchgeführt.

1953/57 wurden die Knochen im Grab von Bari im Zuge von Arbeiten vermessen. Sie waren in schlechtem Zustand — und könnten nach einer vor kurzem stattgefundenen Untersuchung bald verschwunden sein, da die Feuchtigkeit des Grabes sie vermodern lässt. Auf Grund dieser Vermessungen gelang es, die Maße des begrabenen Mannes und auch sein Gesicht zu rekonstruieren. Er war unter 1,70m groß, eher stämmig und hatte eine gebrochene Nase. Das paßt zu einigen Berichten über den hl. Nikolaus, die von einem temperamentvollen Heiligen zeugen, der aber auch gesagt hat: „Lassen wir über unserem Zorn die Sonne nicht untergehen.“

Nun kommt aber der Clou: 1992 durfte Luigi Martino, der schon die Knochen in Bari untersucht hatte, auch die Reliquien in Venedig untersuchen und kam zum überraschenden Schluss, dass sie zu ein und derselben Person gehören. Anscheinend waren die Räuber aus Bari doch in gewisser Eile und nahmen nur die großen Knochen mit; die Venezianer hatten mehr Ruhe und konnten so die übrig gebliebenen kleineren Knochen einsammeln.

Die Reste des Nikolaus-Grabs in Myra kann man noch heute ansehen. Die Türkei hat auch schon die Übergabe der Gebeine aus Bari verlangt, um das Grab in Myra touristisch besser nutzen zu können. Freilich hat die Türkei keinen wie immer gearteten Rechtsanspruch — und ein Bischof gehört nun einmal in eine Kirche. In diesem Fall sogar in zwei.

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