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Korea: Kanonen gegen einen Christbaum?


Was sagt es über ein Regime aus, dass soviel Angst vor Christbäumen hat, dass es mit deren Beschuss droht? Da gibt es eigentlich eh nur zwei Möglichkeiten: Es wird von Niko Alm gelenkt, oder es ist Nordkorea. Letzteres ist diesmal richtig. Denn eine Initiative südkoreanischer Christen hat einen Dekor-Christbaum in der Nähe der Waffenstillstandszone zwischen Nord- und Südkorea aufgestellt, der zu Weihnachten als Zeichen des Friedens erleuchtet werden soll. Worauf Nordkorea mit einem Artillerieangriff (!) gedroht hat.

Früher stand an der gleichen Stelle ein 18 Meter hoher Wachturm — es hat also schon eine gewisse Symbolik, wenn aus einem Wachturm ein (nur halb so hoher) Christbaum wird. Wobei einige Jahre lang die südkoreanische Regierung selbst diesen Turm im Winter als „Weihnachtsbaum“ beleuchtet hatte, bis man in einer Zeit der „Entspannung“ für einige Jahre darauf verzichtet hat.

Dass die Kims große Angst vor dem Christentum haben, ist ja schon hinlänglich bekannt. Der Bischof von Pjöngjang wurde wahrscheinlich von ihnen im Lager umgebracht, ebenso unzählige andere Priester — wie etwa die 36 Märtyrer von Tokwon –, auf den Besitz einer Bibel steht die Todesstrafe. Taufen finden nur unter größter Geheimhaltung und Gefahr statt. In der Hauptstadt gibt es ein paar „lizenzierte Kirchen“, die dazu dienen, vor ausländischem Botschaftspersonal den Schein der angeblich gewährten Glaubens- und Gewissensfreiheit zu wahren. Als ein Zeichen des Protests wurde im „Annuario Pontificio“ Francis Hong Yong-ho (* 1906) bis 2013 weiterhin als Bischof geführt, wiewohl es seit 1962 kein Lebenszeichen mehr von ihm gibt. Das Regime in Nordkorea verweigert bis heute jede Auskunft über sein Schicksal.

Aber solche Angst, dass man sich von einem neun Meter kleinen, leuchtenden Kunst-Christbaum bedroht fühlt? Zum Vergleich: Der Natur-Christbaum am Wiener Rathausplatz ist drei mal so groß. Wenn der an die innerkoreanische Grenze transferiert würde, hülfe Pjöngjang dann wohl nur noch eine Atomgranate.

Die FAZ berichtet über die „Spannungen unter dem Weihnachtsbaum“ — das ist durchaus verdienstvoll. Warum aber die Initiatioren des Baumes gleich das Label „konservative Christen“ verpasst bekommen, das in der FAZ immer negativ konnotiert ist, bleibt das Geheimnis des Korrespondenten Carsten Germis.

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