Severin von Noricum


Der 8. Jänner ist der Gedenktag des hl. Severin von Norikum († 8. Jänner 482), eines der traditionellen Patrone1 Österreichs. Er war im fünften Jahrhundert inmitten des zusammenbrechenden (west)römischen Reiches für die Menschen Norikums nicht nur seelsorgerisch tätig, sondern verhandelte für sie mit den Mächtigen, organisierte Nahrungsmittel, Umsiedlungen, Verteidigungsmaßnahmen und vieles mehr.

Dabei war das ursprünglich nicht seine Absicht, wie sein Biograph Eugippius festhielt: Nach einem Aufenthalt im Osten wollte er sich eigentlich einem Leben der Askese und Kontemplation widmen. Doch es sollte anders kommen, wie Severin erzählt: „Wisse aber dennoch, dass Gott, der vertrat, Dich zum Priester zu machen, mir selbst vorschrieb, diesen gefährdeten Menschen beizustehen.“

Nun war es im fünften Jahrhundert nicht selten der Fall, dass Bischöfe als Lückenfüller die Aufgaben des untergehenden Staats übernahmen, insbesondere, wenn sie selbst einen entsprechenden Hintergrund hatten und z.B. früher als Statthalter, lokale Kommandanten etc. gedient hatten. Ob Severin so einen Hintergrund hatte, ist umstritten — Friedrich Lotter nennt allerdings gute Gründe dafür –; unbestritten ist aber, dass er jedenfalls kein Bischof war, trotzdem in zivilen wie militärischen Belangen zumindest von Bedeutung gewesen ist und für die Mächtigen der Region ein geschätzter Ansprechpartner war.

Über seine Herkunft und Vorgeschichte wissen wir trotzdem wenig, denn Eugippius schweigt sich mit Berufung auf Severin selbst aus. Der soll nämlich auf Nachfragen zuerst gescherzt haben, ob er wohl ein entlaufener Sklave sei. Dann aber habe er geantwortet: „Wofür ist dem Diener Gottes die Bezeichnung seines Rangs oder Standes gut, wenn er besser durch Verschweigen dessen eine Prahlerei leichter vermeiden kann, wie nämlich eine linke Seite, durch deren Nichtwissen er jedes gute Werk mt Christi Gabe zu vollbringen wünscht, wodurch er würdig werde, ein Genosse der rechten Seite (Christi) zu werden und den Bürgern des himmlischen Vaterlandes zugeschrieben zu werden? Wie wenn Du mich unwürdigen als wahrhaft Sehnenden erkennst, was ist es für dich notwendig, das irdische zu erkennen, wie du erfragst?“2

Zwei kleine Lehren möchte ich daher aus dem Leben des hl. Severin ziehen:

  1. Im Reich Gottes gibt es eben keinen Stand, keine Abkunft und keine Nationalität, einen Umstand, den ja etwa das habsburgische Begräbniszeremoniell so eindrucksvoll darzustellen versucht. Es gibt aber Menschen, die sich danach sehnen, Bürger des himmlischen Reiches sein zu wollen, um mit Severin und Augustin zu sprechen, und solchen, die das nicht tun. Das Wollen und das Vollbringen machen uns Menschen aus, und danach sollte man auch die anderen beurteilen.

  2. Wo Gott uns hinstellt, wo er meint, dass wir gebraucht werden, ist oft ganz woanders, als wir es vermuten würden. Daher müssen wir, so wie Severin, offen sein für Gottes Ruf und die Welt um uns, in der wir gerufen werden.

Einige Hinweise:


  1. Seit dem 16. Jahrhundert wurden als Patrone Österreichs die folgenden Heiligen gezählt: Quirinus, Maximilian von Lorch, Florian, Severin, Koloman, Leopold III., Poppo von Trier und Otto von Freising. 

  2. Quid prodest, inquit, servo Dei significatio sui loci vel generis, cum potius id tacendo facilius possit evitare iactantiam, utpote sinistram, qua nesciente cupit omne opus bonum Christo donante perficere, quo mereatur dextris socius fieri et supernae patriae civis adscribi? Quam si me indignum veraciter desiderare cognoscis, quid te necesse est terrenam cognoscere, quam requiris? 
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