Twelve Days of Christmas


Im angelsächsischen Raum wird das Lied „Twelve Days of Christmas“ zu Weihnachten rauf und runter gespielt, musiziert, gesungen. Und, wie schon der Name andeutet, über Weihnachten hinaus. Zwölf Tage lang bring der Geliebte laut Liedtext Geschenke, vom Rebhuhn am Christtag bis zu zwölf springenden Herrn am 5. Jänner, dem zwölften Tag nach Weihnachten.

Die Reihenfolge der Geschenke variiert ein wenig, so gibt es am zwölften Tag bei den Muppets trommelnde Trommler als Geschenk (hier in einer Aufnahme mit John Denver):

Twelvetide

Die Zeit von Weihnachten bis zum Dreikönigstag wird im Englischen auch Twelvetide genannt. Auf Grund des Winters und der Dunkelheit konnten ohnehin nicht viele Arbeiten erledigt werden, und so verband man in England die vielen Feste der Weihnachtszeit bald zu einer Zeit ununterbrochenen Feierns. Diese endete erst mit der zwölften Nacht, dem Vorabend von Dreikönig. Shakespeares Stück „Was ihr wollt“ heißt im Original auch „Twelfth Night“ und bringt das turbulente Treiben dieser Nacht burlesk zum Ausdruck.

Eine etwas freundlichere Interpretation dieser Tage als die heimischen Rauhnächte!

Ein katholisches Lied?

Zurück zum Lied: „Twelve Days of Christmas“ ist ein einfaches Merklied: In jeder Strophe kommt ein Geschenk dazu, und alle anderen müssen in der richtigen Reihenfolge wiederholt werden. Man kann sich leicht ein Spiel ausmalen, bei dem z.B. für jeden Fehler ein Stamperl getrunken werden muss … . Die einzelnen Geschenke wären dann auch Ausdruck der immer ausgelasseneren Feiern.

Aber das Lied könnte früher auch eine tiefere Bedeutung gehabt haben. Es ist naheliegend, dass Jesus die angesprochene „wahre Liebe“ sein könnte, und es ist recht einfach, die Zahlen mit katechetischen Inhalten zu verbinden.

Eine der ersten bekannten Drucke des Liedes stammt zudem aus dem nordenglischen Newcastle, und im Norden Englands hielt sich trotz aller Repression eine größere katholische Gemeinschaft. Es wird für möglich gehalten, dass es sich bei diesem Lied um ein „Untergrundlied“ von Katholiken gehandelt haben könnte oder es zumindest als solches verwendet wurde. In einfacher und für misstrauische Nachbarn unverdächtiger Form hätte man sich so bestimmte geistliche Inhalte merken können.

Eine mögliche Zuordnung:

Tag Geschenk Vermutete Bedeutungen
1. partridge in a pear tree So wie der Rebhahn Bodenfeinde durch scheinbare Verletzung verleitet und so Küken beschützt, habe Christus sich für die Menschen am Kreuz (Birnbaum) hingegeben
2. turtle dove Altes und Neues Testament
3. french hens Die Geschenke der Weisen aus dem Morgenland; die drei göttlichen Tugenden Glaube, Liebe, Hoffnung
4. colley birds oder calling birds Die vier Evangelien oder Evangelisten; die vier großen Propheten Jesaja, Jeremia, Ezechiel und Daniel
5. gold rings Der Pentateuch.
6. geese a-laying Die sechs Tage der Schöpfung.
7. swans a-swimming Die sieben Gaben des Heiligen Geistes, die sieben Werke der Barmherzigkeit.
8. maids a-milking Die acht Seligpreisungen.
9. drummers drumming Die neun Früchte des Heiligen Geistes; die neun Chöre der Engel.
10. pipers piping Die zehn Gebote.
11. ladies dancing Die elf treuen Apostel.
12. lords a-leaping Die zwölf Artikel des Apostolischen Glaubensbekenntnisses, die zwölf Apostel.

Alternative Deutungen

Diese vermuteten Bedeutungen haben allerdings zwei gravierende Nachteile: Es findet sich darunter kaum etwas, das Anlass für eine „Untergrund-Katechese“ böte, und sie sind z.T. von späteren Umreihungen der Geschenke beeinflusst. Eine Übersicht einiger in den letzten 200 Jahren nachgewiesenen Varianten bietet die Website Hymns and Carols of Christmas. Die wirkmächtigste davon war die Neufassung durch den britischen Komponisten Frederic Austin, dessen abwechslungsreicher gestaltete Melodie sich weitgehend durchgesetzt hat. Auch der Text folgt heute meist seiner Version.

Mir haben sich nach Lesen der alten nordenglischen Textfassung einige Alternativen aufgedrängt. Wenn die drei Hennen Glaube, Liebe und Hoffnung repräsentieren, dann sollten die vier Amseln wohl die weltlichen Kardinaltugenden Weisheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Mäßigung repräsentieren. Alternativ können die schwarzen Vögel farbsymbolisch auch die Nägel des Kreuzes darstellen.

Es gibt Spekulationen, dass die fünf goldenen Ringe keine Ringe sein sollten, sondern wie in den Strophen davor und danach Vögel, Stieglitze etwa (goldfinch oder goldspink). Der Stieglitz wurde jahrhundertelang wegen seines rot-schwarzen Kopfes und seiner Vorliebe für Disteln als Symbol für die Passion Christi verwendet. Daher ist es naheliegend, die fünf goldenen Ringe mit den fünf Wundmalen Christi in Verbindung zu bringen.

Gänse sind Symbole der Vorsicht und Wachsamkeit. Das Legen der Eier kann man freilich mit den Schöpfungstagen in Verbindung bringen, die auch im Nachtwächterlied zum Sechser bemüht werden.

Schwäne gelten auf Grund ihrer weißen Farbe als Symbole der Reinheit und Schönheit und werden auch als marianischen Zeichen genutzt. Hier bieten sich viele verschiedene Deutungen an, von den sieben Sakramenten bis hin zu den weihnachtlich geprägten sieben Freuden Mariens.

Acht Mägde könnten auf die acht großen Marienfeste verweisen, die Ende des 16. Jh. laut Generalkalender gefeiert wurden – mit ein wenig Kreativität kann man aber auch die elf tanzenden Damen auf Marienfeste beziehen. Es gibt ja nicht so wenige kleinere Feste. Acht kann aber auch ein Symbol der Aufstehung sein, oder sich simpler auf die acht Teile der Heiligen Messe beziehen (einschließlich Vorbereitung des Priesters).

Die neun Chöre der Engel bieten sich für die Neunzahl ebenso an wie die neun guten Helden. Doch ist neun allgemein eine symbolisch eher schwach besetzte Zahl. Eventuell die neun Tage einer Novene? Die Todesstunde Jesu?

Dass die zwölf hüpfenden Herren die Apostel sind, ist nun relativ naheliegend.

Ob diese Überlegungen alle nur Ergebnis des menschlichen Strebens sind, überall Muster und Ordnungen zu erkennen, wo vielleicht nur blödelnde Kinder waren — wir werden es wohl nie erfahren.

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