Eine Epiphanie haben


Im Englischen wird das Wort Epiphanie heute noch für eine plötzliche Erkenntnis verwendet, einen „Heureka“-Moment, in dem z.B. sich überraschend die Lösung eines drängenden Problems ergibt. Das passt zum griechischen Wort ἐπιφάνεια, das eine Erscheinung bezeichnet, wenn sich etwas sehen lässt oder zeigt. Im übertragenen Sinn kann damit auch das Sich-Zeigen einer göttlichen Macht oder der Amtsantritt bzw. die festliche Ankunft eines Kaisers gemeint sein.

Dreikönig heißt ja eigentlich „Erscheinung des Herrn“, was wiederum eine bloße Übersetzung des griechischen Epiphanie ist: Gott zeigt sich den Menschen. Er erscheint, wie ein König in seine Stadt einzieht.

Und das ist jetzt der besondere Witz an diesem alten kirchlichen Fest: Der Einzug des großen Königs gestaltet sich in Form eines kleinen Kindes im Stall; oder in der Form des Untertauchens im Fluss Jordan; oder als bloßer Gast bei einer Hochzeit. Bestimmte Zeichen schenken dann in diesen Momenten den anwesenden Menschen die Epiphanie, dass sich hier Gottes Wirken manifestiert: Der vorherziehende Stern; die herabfliegende Taube; der verwandelte Wein.

Wer nach langem Tüfteln eine Epiphanie hat, der hat sie oft Ereignissen oder Wahrnehmungen zu verdanken, die den Knopf im Kopf gelöst haben. Oder, wie es P. Heinz Schneider, SVD, schreibt:

Wir brauchen auch heute verstehbare Zeichen, damit wir die Wahrheit entdecken und ausdrücken können.

Und warum?

Wir sind Menschen mit Sinnen, die spüren, schmecken, riechen, sehen, hören wollen. Das gesprochene Wort allein reicht uns nicht.

Es ist nur angemessen, dass Gott sich dem Menschen, der ein Sinneswesen ist, in einer Weise offenbart, die mit seinen Sinnen erfassbar ist. Und uns dabei immer die Gelegenheit zu unser persönlichen Epiphanie gibt.

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