Das Ende des Bucentauren


Am 9. Jänner 1798 zerstörten französische Soldaten das Prachtschiff des venezianischen Dogen, den Bucentaur oder Bucintoro. Eine mit kostbaren Schnitzereien und edlen Blattgoldarbeiten verzierte Galeere, die Besucher in Staunen versetzte. So sehr, dass andernorts, etwa in Bayern, prachtvolle Schiffe gleichen Namens nach venezianischem Vorbild gebaut wurden.

Francesco Guardi: Die Ausfahrt des Bucentaur zum Lido

Francesco Guardi: Die Ausfahrt des Bucentaur zum Lido

Freilich hatte es mit dem venezianischen Schiff eine besondere Bewandtnis, wurde es doch vom Dogen beim Festa della Sensa bestiegen, dem alljährlich zu Christi Himmelfahrt stattfindenden Fest, in dem Venedig seine Verbundenheit mit dem Meer feierte. Der Bucentaur führt eine Schiffsprozession an, die nach San Nicolò am Lido führte – der hl. Nikolaus ist ein Patron der Seefahrer. Diese „Vermählung mit dem Meer“ war eines der größten Ereignisse des Jahres in der Republik Venedig.

1729 wurde der letzte und vielleicht prachtvollste Bucentaur in Dienst gestellt, ein Meisterstück des Kunsthandwerks. Und wie so oft sind es die Schergen einer „neuen Zeit“, die Kultur und Geschichte vernichtet haben. Und warum? Sicher aus Lust an der Zerstörung, aber wohl auch, weil sie die verwendeten Metalle herausbrechen wollten. Übrigens hat Napoleon, der verantwortliche Kommandant, in Venedig auch sonst eine Spur der Verwüstung hinterlassen.

Eine Stiftung, die Fondazione Bucintoro, versucht seit 2004, einen neuen Bucentaur zu bauen, musste die Arbeiten aber mittlerweile aus Geldmangel einstellen, wenn ich es richtig verstanden habe.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s