Hilarius von Poitiers, der Hammer der Arianer


Der 13. Jänner ist der Gedenktag des heiligen Hilarius von Poitiers († 367/368). Ursprünglich war er Beamter des Römischen Reiches, dabei offenbar gut gebildet. Wie er in seinen zwölf Büchern über die Dreieinigkeit schreibt, führten ihn auf der Suche nach der „Aufgabe, die dem Menschenleben von ihm selbst und von Gott her eigne“, die Bücher des Alten Testaments auf die Spur des Christentums:

„Ich bin, der ich bin“; und wiederum: „Dies sage den Kindern Israels: der da ist, hat mich zu euch gesandt“. Geradezu bewundert habe ich eine so endgültig-eindeutige Gottesbezeichnung, die die unfaßliche Erkenntnis des göttlichen Wesens in einer für menschliche Fassungskraft höchst geeigneten Sprechweise angab.

Er wurde später Bischof — vielleicht der erste — in Poitiers, das damals Pictavium hieß. Der hl. Martin hat ihn nach seinem Militärdienst aufgesucht, wie sein Biograph Sulpicius berichtet, und Hilarius hat ihn zum sogenannten „Exorzisten“ geweiht, einem niederen Weihegrad. Eigentlich wollte Hilarius den frommen Mann zum Diakon machen, doch Martin hielt sich für unwürdig, dieses Amt zu bekleiden.

Der hl. Hilarius von Poitiers heilt ein Kind. Illustration aus dem Weißenauer Passionale

Der hl. Hilarius von Poitiers heilt ein Kind. Illustration aus dem Weißenauer Passionale

Der Hammer der Arianer

Martin hatte wahrscheinlich einen guten Grund, gerade Hilarius aufzusuchen. Denn dieser gehörte zu den Verteidigern der Kirche gegen den Arianismus, eine auch heute verbreitete Irrlehre, nach der Jesus Christus nicht selbst Gott ist, sondern ein geschaffenes, von ihm verschiedenes Wesen. Es geht im Kern um den Monotheismus und die Rolle Jesu.

Die Arianer genossen zu dieser Zeit kaiserliche Unterstützung; viele Bischöfe unterwarfen sich gehorsam. Nicht so Hilarius, der die Dreifaltigkeit verteidigte und die bewusste Trennung der rechtgläubigen Bischöfe vom arianischen Bischofs Saturninus von Arles und seinen engsten Vertrauten betrieb.

Darauf kam es zur Synode von Biterrae (Béziers), bei der die arianischen Bischöfe die inhaltliche Auseinandersetzung vermieden und sich Hilarius’ entledigten: Er wurde auf kaiserlichen Befehl nach Phrygien verbannt — offenbar unter falschen Anschuldigungen. Hilarius selbst schreibt:

Als ich nachher durch die Partei jener Pseudoapostel zur Synode zu Bitterae zu kommen gezwungen wurde, machte ich ihnen das Anerbieten, diese Ketzerei aufzudecken und zu widerlegen. Aber diese fürchteten die öffentliche Kundmachung und wollten die von mir vorgebrachten Beschuldigungen nicht anhören, weil sie glaubten, sie könnten Christo ihre Unschuld vorlügen, wenn sie absichtlich nicht wüßten, was sie nachher mit Wissen tun wollten.

In einem anderen Buch deutet er an, dass er aufgrund falscher Anschuldigungen des Arianers Saturninus verbannt wurde:

[…] so freute ich mich im Herrn, daß ihr unbefleckt und unangetastet von aller Ansteckung der verabscheuungswürdigen Ketzerei geblieben seid, daß ihr Teil nehmet an meiner Verbannung, in welche mich Saturninus aus Furcht vor seinem eigenen Gewissen, mit Hintergehung des Kaisers, verstoßen hatte, […]

Er schreib in der Verbannung mehrere Bücher, darunter das erste bekannte Traktat zur Dreifaltigkeit. Gleichzeitig legte er Wert darauf, weiter mit den Arianern ins Gespräch zu kommen, um den Frieden und die geistige Umkehr der Arianer zu fördern. Er nennt sie auch weiterhin Brüder, auch wenn sie sich nicht gerade brüderlich verhalten. Seine klare Argumentation konnte jedenfalls viele überzeugen, zum nicänischen Glauben zurückzukehren, weswegen er auch der Hammer der Arianer (malleus arianorum) genannt wurde.

Der Kaiser schlägt zurück

Wen er nicht überzeugen konnte, war Kaiser Constantius II.. Dieser lehnte das nicänische Glaubensbekenntnis ab; er wollte ein neues, einheitliches christliches Glaubensbekenntnis erreichen und den arianischen Streit entscheiden. Auf einem Konzil von Sirmium wurde daher ein Entwurf für eine Formel vorgelegt, nach der der Sohn „in allem wie der Vater“ ist, und die Verwendung des Begriffes „Wesen“ streng abgelehnt wird.

Damit sollen die Vertreter verschiedener Schattierungen des „Semi-Arianismus“ zufriedengestellt werden. Die sogenannten Anomoier, die vertraten, Vater und Sohn seien verschieden, waren damit zwar ausgebootet worden, und der reine Arianismus in der Minderheit geblieben. Ebenso war damit aber das nicänische Glaubensbekenntnis von 325 hinfällig, in dem Gott Sohn „eines Wesens mit dem Vater“ genannt wird. Der Text von Sirmium war allerdings nur ein Vorschlag.

Hilarius berichtet in einer Schrift „De Synodis“ an seine gallischen Freunde über diese Entwicklungen. Er schlägt darin auch eine Brücke zwischen Griechen und Lateinern, in dem er demonstriert, dass im Westen mitunter kritisierte Glaubensbekenntnisse aus sprachlichen Missverständnissen heraus abgelehnt werden. Das wird später eine wichtige Rolle spielen, um die kirchliche Einheit wiederherzustellen.

Die von Hilarius hier skizzierte Verständigung will der Kaiserhof verhindern und setzt zwei getrennte Synoden für Ost und West an, eine in Ariminium (Rimini) und eine in Seleucia in Isaurien. Letztere hätte ursprünglich in Nicomedien stattfinden sollen, musste aber auf Grund eines Erdbebens verlegt werden.

Die Bischöfe in Ariminium sahen keinen Grund, vom Glaubensbekenntnis von Nicäa abzuweichen. Daher wurde ihre Gesandtschaft, die sie mit einem entsprechenden Brief zum Kaiser gesandt hatte, zuerst aufgehalten, dann nach Nike in Thrakien verbracht, wo sie eine Formel zu unterzeichnen hatten, nach der der Sohn dem Vater ähnlich sei — auch das „in allem“ wurde gestrichen. Die westlichen Bischöfe wurden nun zur Unterzeichnung gezwungen oder verbannt.

An der östlichen Synode in Seleucia nahm auch der exilierte Hilarius teil, dessen Ruf als gebildeter, versierter Theologe und Disputant ihm offenbar vorauseilte. Auch hier erfolgte — trotz der starken arianischen Tendenzen im Osten — keine Einigung auf die Formel von Sirmium. Auf Wunsch des Kaisers mussten zehn Delegierte nach Konstantinopel zur Berichterstattung kommen, mit ähnlichem Ergebnis wie für den Westen.

Eine „Synode von Konstantinopel“ schloss aus Sicht des Kaisers den Prozess ab. Ihr Glaubensbekenntnis ist uns überliefert, und lässt weiten arianischen Spielraum.

Hilarius kehrt zurück

Hilarius durfte oder musste 360 wieder nach Poitiers reisen — er war den arianischen Hofbischöfen im Osten so lästig geworden, dass sie ihn lieber im fernen Gallien sehen wollten. Dort wurde er jubelnd empfangen. Bald konnte er den gallischen Bischöfen zeigen, dass die Formel von Konstantinopel nur ein Deckmantel für den Arianismus sei. In einer Regionalsynode wurde schließlich der Arianer Saturninus von Arles abgesetzt. Hilarius versuchte allerdings auch, die Hardliner von einer konzilianteren Haltung zu überzeugen, was er erfolgreich und überzeugend tat.

Mit dem Aufstand Julians gegen Kaiser Constantius’ und dem Tod des Letzteren wurde auch die Macht der Arianer merklich schwächer. So erklärte Papst Liberius die erzwungenen Beschlüsse von Ariminium für ungültig.

Schließlich unternahm Hilarius es 364, den Bischof Auxentius von Mailand als Arianer zu entlarven und seine Umkehr oder Absetzung zu erreichen. Auxentius aber stand beim Kaiser offenbar in hoher Gunst und es war vielmehr Hilarius, der Mailand verlassen musste.

Der hl. Hilarius wirkte bis zu seinem Tod in Poitiers, der heute allgemein mit 367 angegeben wird. Übrigens spornte er in dieser Zeit auch den hl. Martin an, ein Kloster in Ligugé zu gründen. Er gilt als Kirchenlehrer und wird auch in der Ostkirche geschätzt und verehrt.

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