Wie konnte Gott das nur zulassen?


„Wie konnte Gott das nur zulassen?“ — Diese Frage wird nach persönlichen und weniger persönlichen Katastrophen gern gestellt. Sie ist verständlich, denn gerade dann, wenn einen Leid mit Wucht trifft, sucht man nach einer Erklärung. Und die eigene, unvermittelte Erfahrung widerspricht oft dem persönlichen Bild, das man von Gott hat.

Ich habe diese Frage trotzdem immer als seltsam empfunden. Zum einen insinuiert sie einen Grundzustand, in dem Leid in der Welt abwesend ist. Das widerspricht doch grundsätzlich der Lebenserfahrung! Zum anderen wird sie meist nur gestellt, wenn man selbst betroffen ist. Wie blind für die Leiden anderer war mancher vielleicht zuvor, wenn er sich erst dann diese Frage stellt, wenn es um ihn selbst geht?

Auch die Bibel beschäftigt sich ausführlich mit der Frage: „Wie konnte Gott das nur zulassen?“ Das ganze Buch Hiob handelt von nichts anderem. Die Jünger haben sich bei der Kreuzigung wohl ebenso genau diese Frage gestellt.

Doch gibt es zwei Begebenheiten in der Bibel, die mir persönlich für diese Frage wichtig erscheinen. Das eine ist ein subtiles Detail der Erzählung von Adam und Eva. Kinder gebiert Eva erst nach dem Sündenfall, als der Tod in die Welt kam. Werden hängt mit Vergehen eng zusammen, und dieses Vergehen ist mit Leid verknüpft. Solange wir in einer Welt des Werdens und Vergehens leben, solange leben wir notwendigerweise in einer Welt, in der Leid existiert.

Das andere ist ein gewaltiges Ereignis: der Kreuzestod Christi und seine Auferstehung. Wenn Gott zulässt, dass buchstäblich er selbst gekreuzigt wird, ist die ganze Frage: „Wie konnte er das zulassen?“ völlig sinnentleert. Doch was Gott daraus macht, ist einfach wunderbar. Aus dem Leid des Kreuzes wird die Fülle des Lebens, eines Lebens, in dem es kein Werden und Vergehen mehr gibt, und damit auch kein Leid.

Der heilige Papst Johannes Paul II. hat sich im apostolischen Schreiben Salvifici Doloris ausführlich mit der Frage des Leidens beschäftigt, insbesondere mit dem Sinn des Leidens. Er gibt darin keine billigen Antworten, und zeigt doch die vielen Weisen auf, in denen Sinn im Leiden liegen und gefunden werden kann. Auch und gerade in unserem Umgang mit dem Leid anderer! Gerade in kritischen Situationen ein lesenswerter Text.

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