Der Vater der Wüstenväter


Ohne Antonius den Großen († 356) wäre das Mönchtum vielleicht nicht so, wie es ist. Er legte sein Geschick ganz in die Hand Jesu und führte ein asketisches, einfaches Leben als Einsiedler. Bald fand er Nachahmer und Bewunderer, und ganze Gemeinschaften von sogenannten „Wüstenvätern“ bildeten sich um ihn herum und nach seinem Vorbild. Darum ist er auch einer der, wenn nicht überhaupt der Begründer des Mönchtums, wenn auch etwas unfreiwillig. Denn ein Einsiedler will für gewöhnlich nicht in großer Gesellschaft leben.

Der hl. Athanasius berichtet in seiner Antonius-Biographie, dass zwei Bibelstellen wegweisend für den Vater der Wüstenväter waren: Der Vers aus dem Matthäus-Evangelium, als Jesus dem reichen Jüngling antwortet: „Jesus sagte ihm: Wenn du vollkommen sein willst, geh hin, verkaufe, was du hast, und gib den Erlös den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben. Dann komm und folge mir!“ (Mt 19,21) und wenn Jesus den Jüngern sagt: „Seid nicht so besorgt um den morgigen Tag; denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen.“ (Mt 6,34)

Eine kleine Anekdote, die Athanasius berichtet, erhellt den Charakter des Antonius:

Als er einmal wieder so gezwungen wurde von denen, die in Not waren, und auch der Heermeister ihn inständig bat, herabzukommen, da erschien er wirklich, sagte einige Worte, die zum Heile dienten und für die Bittsteller bestimmt waren, und wollte wieder wegeilen. Als nun der Dux, wie er genannt wird, ihn ersuchte, er möge ein wenig länger bleiben, da erwiderte er, er könne nicht bei ihnen weilen und überzeugte ihn davon durch ein liebliches Gleichnis. Er sagte nämlich: „Wie die Fische sterben, wenn sie auf dem Trockenen bleiben, so werden die Mönche schlaff, wenn sie mit euch sich verhalten und bei euch bleiben. Wie der Fisch in das Meer, so müssen wir auf den Berg eilen, damit wir nicht durch unser Zögern der Dinge vergessen, die da innen sind.“ Als der General dies und vieles andere von ihm gehört hatte, da sagte er voll Verwunderung, er sei in Wahrheit ein Diener des Herrn. Denn woher hätte ein einfacher Mensch einen so tiefen und gewaltigen Verstand, wenn er nicht ein Liebling Gottes wäre? (Übersetzung von Anton Stegmann und Hans Mertel)

Antonius starb hochbetagt und hochverehrt — sogar der Kaiser hatte ihm einen Brief geschrieben — im Jahr 356. Sein Gedenktag ist der 17. Jänner.

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