Carl Zuckmayer begegnet Thomas Bernhard und Karl Barth …


Carl Zuckmayer

Carl Zuckmayer

Vor vierzig Jahren starb der große deutsche Dramatiker Carl Zuckmayer in Visp in der Schweiz. Der damals gerade Achtzigjährige konnte dabei auf ein bewegtes, durchaus erfolgreiches Leben zurückblicken. Einige seiner Stücke, wie der „Hauptmann von Köpenick“ oder „Des Teufels General“, sind bis heute ein Begriff. Er schrieb an mehreren Drehbüchern mit, so für den „Blauen Engel“ oder den Oscar-Werner-Film „Entscheidung vor Morgengrauen“. Seine Autobiographie „Als wär’s ein Stück von mir“ war ein absoluter Bestseller.

Im Ersten Weltkrieg war er hochdekorierter Kriegsfreiwilliger. Doch die Erfahrungen des Krieges hatten ihn zu einem vehementen Kritiker von Militarismus und Kriegsbegeisterung werden lassen. Nach glänzenden Erfolgen kommt mit der Machtergreifung Hitlers die jähe Zäsur. Politisch ist Zuckmayer ohnehin unerwünscht, dazu kommt seine Herkunft, da seine Mutter jüdische Wurzeln hatte.

Freumbichler und Bernhard

„Wiesmühl“-Haus Zuckmayers in Henndorf © Maschinenjunge/Wikimedia

„Wiesmühl“-Haus Zuckmayers in Henndorf © Maschinenjunge/Wikimedia

Der österreichische Ständestaat ist für viele deutsche Kulturschaffende Zufluchtsort, so auch für Carl Zuckmayer, der nach Henndorf am Wallersee in Salzburg ins Exil geht. Dort publiziert er weiter, jetzt vor allem Prosa und Zeitschriftenbeiträge, und pflegt weiter seine Gastfreundschaft zu anderen Schriftstellern im sogenannten „Henndorfer Kreis“. Und er lernt Johannes Freumbichler kennen, einen bis dahin erfolglosen Schriftsteller. Über Vermittlung von Freumbichlers Lebensgefährtin Anna Bernhard erhält Zuckmayer den Entwurf für Freumbichlers Werk „Philomena Ellenhub“; Zuckmayers Frau Alice half Freumbichler bei der Ordnung und Straffung des Werks, Zuckmayer selbst bei der Bewerbung.

Mit Erfolg: 1937 erschien das Werk unter großem Beifall, Freumbichler erhielt den österreichischen Staatspreis für Literatur. Und hatte nun das Geld, um seine liebe Anna Bernhard zu heiraten.

Sein Enkel sollte wesentlich bekannter werden: Thomas Bernhard. Ihm verhalf Carl Zuckmayer 1952 zu einem Job beim „Demokratischen Volksblatt“, der damaligen Salzburger SPÖ-Parteizeitung. Als Jahre später Bernhards erster Roman erschien, war es Zuckmayer, der das Buch mit einer positiven Rezension in der „Zeit“ einer breiten Öffentlichkeit bekanntmachte.

Ein rheinischer Katholik

Zuckmayer war politisch schwer einzuordnen, was ihm sein Leben oft schwer machte. Und er war etwas anderes, dass ihm das Leben im Literaturbetrieb ebenfalls nicht einfacher machte: Ein im Kern überzeugter Katholik. Damit folgte er seinem Vater, dem rheinhessischen Weinkapselfabrikanten. Seine Mutter war evangelisch. Er hatte seine Phasen der Distanz, des Relativismus, doch, wie er selbst meint, nie eine der Gleichgültigkeit.

Seine Autobiographie teilte Zuckmayer nicht umsonst nach den Horen des Stundengebets ein. In diesem Text berichtet Zuckmayer, dass die katholische Sozialisation seiner Kindheit ein großer Glücksfall für ihn war: Das „große Mysterium der Menschwerdung, das Wunder der Transfiguration“, das „in jeder Messe neu geschieht“, wird in den Ritualen des Gottesdiensts für das Kind Zuckmayer zum selbstverständlichen Teil des täglichen Lebens. „[E]s ist nichts pietistisch Würdevolles oder Griesgrämiges dabei; hier riecht es nach warmem Brot, dort nach steinkühlem Weihrauch; das Kniebeugen, Niederknien, Händefalten, Kreuzschlagen, das Klingeln der Messglöckchen, das Heben der Monstranz und das Klopfen an die Brust während der tiefen Stille bei der Wandlung, das alles fügt sich ins tägliche Leben ein wie Schlafengehen, Aufstehen, Anziehen, Lernen, Spielen — es ist Sonntag, der allen gehört, und an dem sich der dicke schwarze Mann aus dem Pfarrhaus in eine Heiligenfigur mit prachtvollen Gewändern verwandelt.“

Er schätzte die katholische Autorin Gertrud le Fort, die er als die „größte Dichtertin der Transzendenz in unserer Zeit“ lobte. Im Alter lernt Zuckmayer den evangelischen Theologen Karl Barth kennen und beschäftigt sich über diesen Umweg noch stärker mit seinem Glauben. Eine „späte Freundschaft“, die man auch in den Briefen der beiden nachspüren kann. Sie sind immer wieder verschiedener Meinung, aber sie diskutieren drängende Themen der damaligen Zeit, die Zuckmayer als tieferen Denker ausweisen, als man ihm vielleicht nach dem Klischee zugetraut hätte. Dem Protestanten Barth konnte er anvertrauen, was seine intoleranten Kollegen der Schriftstellerzunft nicht verstanden hätten — den Trost, den ihm die Eucharistie gespendet hat.

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