Sankt Agnes vor den Mauern


Apsis in Sant’Agnese fuori le mura © Hollerbusch

Apsis in Sant’Agnese fuori le mura © Hollerbusch


Die heilige Agnes muss eine sehr beeindruckende Person gewesen sein. Nach ihrem Martyrium im 3. Jh. im Zuge der römischen Christenverfolgungen wurde sie sehr bald verehrt, wie z.B. der hl. Ambrosius berichtet. In Rom zeugen zwei Kirchen besonders von der Verehrung der hl. Agnes. Die bekanntere ist Sant’Agnese in Agone, am Ort ihres Martyriums an der heutigen Piazza Navona, dem früheren Circus Agonalis. Sie geht zumindest auf das frühe Mittelalter zurück. Doch weitaus ältere Wurzeln hat Sant’Agnese fuori le mura. Ganz in der Nähe stehen Reste einer konstantinischen Agnes-Basilika, die gewaltige Ausmaße besessen haben muss. Die Basilika wurde von der Kaisertochter Constantia gestiftet, die daneben auch ihr heute noch erhaltenes Mausoleum errichten ließ.

Spolien in Sant’Agnese fuori le mura © Hollerbusch

Spolien in Sant’Agnese fuori le mura © Hollerbusch

In den Wirren der Völkerwanderungszeit verfiel die Basilika, so dass Papst Honorius (625-638) eine kleinere Kirche daneben errichten ließ – direkt über dem Grab der hl. Agnes und den Katakomben, in denen viele weitere Menschen begraben sind. Die Kirche wurde in den folgenden Jahrhunderten umgestaltet, doch kann man mit dem wunderbaren Mosaik in der Apsis, dass Papst Honorius, die hl. Agnes im Gewand einer Prinzessin und eine weiteren Papst zeigt, ein Blick in die Entstehungszeit der Kirche geworfen werden. Auch die Säulen, die aus verschiedenen römischen Gebäuden zusammengestellt wurden, sogenannte Spolien, tragen schon seit dem 7. Jahrhundert die Emporen.

Decke in Sant’Agnese fuori le mura © Hollerbusch

Decke aus dem Jahr 1606 in Sant’Agnese fuori le mura © Hollerbusch

In Sant’Agnese werden jedes Jahr zum 21. Jänner, dem Gedenktag der hl. Agnes, zwei Lämmer durch den Papst gesegnet, deren Wolle für die Pallien verwendet wird, die der heilige Vater den Erzbischöfen als Zeichen ihres Amtes verleiht. Diese Pallien werden dann in Santa Cecilia in Trastevere von den dortigen Nonnen unter Beifügung weiterer Wolle — es gibt einfach schon zu viele Erzbischöfe für zwei Lämmer — gewoben.

Der Zusammenhang Agnes und Agnus (lateinisch für Lamm) ist dabei klanglich offensichtlich. Schon im Apsismosaik wird Agnes mit dem Lamm dargestellt — sie soll auch wie ein Lamm getötet worden sein, nachdem die anderen Tötungsversuche misslangen. Ihre Ziehschwester Emerentiana wurde wenige Tage später gesteinigt, als sie vom Pöbel dabei überrascht wurde, wie sie am Grab der Agnes betete. Ihr Grab ist in der gleichen Kirche, ihr Gedenktag der 23. Jänner.

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