Pauli Bekehrung


Ludovico Carracci: Bekehrung des hl. Paulus (1587/89)

Ludovico Carracci: Bekehrung des hl. Paulus (1587/89)

Am 25. Jänner feiert die Kirche „Pauli Bekehrung“ — das „Damaskuserlebnis“, durch das aus dem wütenden Christenverfolger ein Apostel Christi wurde. Eine schockartige Begegnung mit Christus, die seine bisherige Welt aus den Fugen geraten und ihn vorübergehend erblinden lässt. In dieser Situation, in der der vorher machtvolle Verfolger als Blinder auf die Hilfe anderer angewiesen ist, erlebt er die Barmherzigkeit der jungen Christengemeinde in Damaskus. Seine ganze Theologie muss man meines Erachtens vom Damaskuserlebnis her entschlüsseln, das ihn völlig unverdient getroffen hat. Er selbst berichtet davon im Galaterbrief:

Ich tue euch kund, Brüder: Das Evangelium, das ich verkündet habe, ist nicht Menschenwerk. Ich habe es nicht von einem Menschen empfangen oder erlernt, sondern durch eine Offenbarung Jesu Christi. Ihr habt doch von meinem früheren Wandel im Judentum gehört. Maßlos verfolgte ich die Kirche Gottes und suchte sie zu vernichten. Im Eifer für das Judentum übertraf ich viele meiner Altersgenossen in meinem Volk, so übertriebenen Eifer legte ich für die Überlieferungen meiner Väter an den Tag.

Als es aber dem, der mich schon vom Mutterschoß an ausersehen und durch seine Gnade berufen hatte, gefiel, mir seinen Sohn zu offenbaren, damit ich ihn unter den Heiden verkünde, zog ich nicht mehr Fleisch und Blut zu Rate, auch ging ich nicht hinauf nach Jerusalem zu denen, die schon vor mir Apostel waren, sondern ich zog weg nach Arabien und kehrte dann wieder nach Damaskus zurück.

Erst drei Jahre später ging ich hinauf nach Jerusalem, um Kephas kennenzulernen und verbrachte bei ihm fünfzehn Tage; von den anderen Aposteln sah ich nur Jakobus, den Bruder des Herrn. Was ich euch schreibe – ich bezeuge es vor Gott, – es ist keine Lüge. Darauf begab ich mich in die Gebiete von Syrien und Zilizien. Den Christengemeinden in Judäa blieb ich persönlich unbekannt. Sie hatten nur gehört: Unser einstiger Verfolger verkündet jetzt den Glauben, den er früher zu vernichten trachtete. Und sie priesen Gott um meinetwillen. (Gal 1, 11-24; Übersetzung von P. Konstantin Rösch, OMCap)

Die Begebenheit war so außerordentlich, dass Lukas sie in der Apostelgeschichte dreimal referiert — mit je nach Kontext verschiedenen Gewichtungen und Formulierungen: Einmal als Ereignisbericht im 9. Kapitel, einmal in der Verteidigungsrede des Paulus vor den Juden Jerusalems im 22. Kapitel, einmal in der Verteidigungsrede vor König Agrippa im 26. Kapitel. Es war eben wirklich ein einschneidendes, unglaubliches Ereignis: „Der einstige Verfolger verkündet jetzt den Glauben.“ Überspitzt formuliert fast so, wie wenn sich ein beinharter saudischer Religionspolizist überraschend taufen ließe, oder ein treuer chinesischer Parteikader sich der katholischen Untergrundkirche anschlösse. Aber wer weiß schon, wie oft so eine Bekehrung nicht auch heute stattfindet.

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