Vom nutzlosen und rechten Fasten


Mit dem Aschermittwoch beginnt wieder die Fastenzeit. Fasten ist dabei heute ja sehr modern. Es gibt „Fastenjoghurt“ und „Heilfasten“. Wenn einige Bekannte abnehmen wollen, dann reden sie nicht mehr von einer Diät — das ist anscheinend nicht mehr en vogue –, sondern vom „Fasten“. Manche suchen richtiggehend nach Mitleid für ihr „aufopferungsvolles“ „Fasten“. Doch mit dem Fasten der Bibel hat das wenig zu tun.

Schon der Prophet Jesaja erinnert seine Mitbürger daran, dass die Zeichen des Fastens nicht um ihrer selbst willen getan werden sollen. Die Zurückhaltung bei Speise und Trank und Prunk unterstützt etwas anderes:

Warum fasten wir und du siehst es nicht? Warum tun wir Buße und du merkst es nicht?

Seht, an euren Fasttagen macht ihr Geschäfte und treibt alle eure Arbeiter zur Arbeit an. Obwohl ihr fastet, gibt es Streit und Zank und ihr schlagt zu mit roher Gewalt. So wie ihr jetzt fastet, verschafft ihr eurer Stimme droben kein Gehör. Ist das ein Fasten, wie ich es liebe, ein Tag, an dem man sich der Buße unterzieht: wenn man den Kopf hängen lässt, so wie eine Binse sich neigt, wenn man sich mit Sack und Asche bedeckt? Nennst du das ein Fasten und einen Tag, der dem Herrn gefällt?

Nein, das ist ein Fasten, wie ich es liebe: die Fesseln des Unrechts zu lösen, die Stricke des Jochs zu entfernen, die Versklavten freizulassen, jedes Joch zu zerbrechen, an die Hungrigen dein Brot auszuteilen, die obdachlosen Armen ins Haus aufzunehmen, wenn du einen Nackten siehst, ihn zu bekleiden und dich deinen Verwandten nicht zu entziehen.

Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte und deine Wunden werden schnell vernarben. Deine Gerechtigkeit geht dir voran, die Herrlichkeit des Herrn folgt dir nach. Wenn du dann rufst, wird der Herr dir Antwort geben, und wenn du um Hilfe schreist, wird er sagen: Hier bin ich. Wenn du der Unterdrückung bei dir ein Ende machst, auf keinen mit dem Finger zeigst und niemand verleumdest, dem Hungrigen dein Brot reichst und den Darbenden satt machst, dann geht im Dunkel dein Licht auf und deine Finsternis wird hell wie der Mittag.

In die gleiche Kerbe schlägt die frühchristliche Schrift „Der Hirte des Hermas“. In einem Gleichnis wird dort das rechte Fasten ausgelotet. Nur auf Speisen zu verzichten, das ist nutzloses Fasten. Vielmehr tut das rechte Fasten etwas für die Gerechtigkeit. Und dazu wird folgendes Gleichnis erzählt:

Ein reicher Großgrundbesitzer vertraut einem treuen und geschätzten Sklaven die Sorge um einen frisch angepflanzten Weinberg an, den er mit einem Zaun umgeben soll. Als Lohn winkt die Freiheit. Der Sklave zäunt den Weinberg ein, gräbt aber dann auch noch den Weinberg um und jätet alles Unkraut. Daher wuchsen die Weinstöcke nun besonders gut. Der Besitzer kommt zurück und ist über die Arbeit des Sklaven entzückt. Begeistert erzählt er seinem Sohn und seinen Freunden von der Leistung des Sklaven und verspricht, ihn zum Miterben einzusetzen, „weil er den guten Gedanken nicht von sich gewiesen, sondern ihn ausgeführt hat.“ Der Sohn stimmt zu. Bei einem folgenden Festmahl bedenkt der Hausherr diesmal auch den Sklaven, doch der lässt einen Teil seinen Mitknechten zukommen, die daraufhin für ihn beten, dass er beim Hausherrn noch mehr Gnade finde. Das hört der Besitzer wiederum, der es Sohn und Freunden erzählt. Alle sehen die Miterbenschaft des Sklaven bestätigt.

Man soll also die Gebote des Herrn halten, der unschwer in dem Großgrundbesitzer zu erkennen ist. Schon das ist genug. Wer darüberhinaus Gutes tut, wird aber besonders gepriesen werden. Im „Hirten des Hermas“ wird daher folgender Rat gegeben:

Das Fasten, welches du beobachten willst, halte also: Fürs allererste hüte dich vor jedem schlechten Worte, jeder bösen Begierde und halte dein Herz rein von allen Eitelkeiten dieser Welt! Wenn du dies beobachtest, wird dein Fasten vollkommen sein. Dabei sollst du es also machen: Zunächst erfülle, was geschrieben steht; dann sollst du an diesem Tage nur Wasser und Brot essen; von den Speisen, die du sonst an diesem Tage genießen würdest, sollst du sodann die Höhe der Auslagen für den in Betracht kommenden Tag berechnen und diese einer Witwe oder einer Waise oder einem Bedürftigen geben und so dich bescheiden, auf dass der, welcher durch deine Bescheidenheit etwas bekommen hat, sein Herz erfülle und für dich zum Herrn bete. Wenn du also so, wie ich es angegeben habe, das Fasten hältst, wird dein Opfer angenehm sein bei Gott, und dies dein Fasten wird eingeschrieben werden, und ein Gottesdienst, der so geübt wird, ist gut, erfreulich und wohlgefällig beim Herrn.

Das klingt ja eigentlich recht vertraut. Das Rezept für den Familienfasttag ist nicht viel anders! Aus dem Verzicht soll etwas Gutes wachsen können. Das kann ein innerer Beitrag sein, wenn man durch das Loslassen freier für Gott wird, oder ein äußerer Beitrag, wie ihn im „Hirten des Hermas“ eine Witwe oder Waise erhalten soll. Aber es darf kein Fasten um des Fastens willen sein, bei dem in Wahrheit nur das eigene Ego im Vordergrund steht.

Zum Thema Fasten würde mir noch mehr einfallen. Wenn man ein Blog schon länger betreibt, hat man aber mitunter den Luxus, auf ältere Texte zurückgreifen zu können. Über die alttestamentliche Lesung aus dem Buch Joël, die zu Aschermittwoch vorgesehen ist, habe ich 2010 ein paar Gedanken zusammengetragen. Über Sinn und Zweck der Buße habe ich 2011 einen kurzen Text geschrieben. „Warum Fasten sinnvoll ist“ — dazu habe ich 2013 einige Gedanken beigesteuert. Zu Aschermittwoch beginnt eine neue Gelegenheit, denWeg zu Jesus zu nehmen, wie ich meinen Aschermittwoch-Text 2014 betitelt habe.

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