Georg Christoph Wagenseil: Zum 240. Todestag des Komponisten


Georg Christoph Wagenseil starb vor 240 Jahren am 1. März 1777 in Wien. Er war zu Lebzeiten ein überaus geschätzter Komponist; mit des Wiederentdeckung der Musik des Barocks und Rokoko in den letzten Jahrzehnten kehren auch seine Werke ab und zu in den Konzertsaal zurück. Hier z.B. eine spritzige Symphonie in G-Dur:

Wie das Österreichische Musiklexikon berichtet, war der 1717 geborene Wagenseil Schüler beim langjährigen Organisten der Wiener Michaelerkirche, Johann Adam Wöger, bei Matteo Palotta, einem italienischstämmigen Komponisten vorwiegend geistlicher Musik, und beim damaligen Titanen der Wiener Musik, Hofkapellmeister Johann Joseph Fux. Fux war auch einer der führenden Musiktheoretiker seiner Zeit; sein Lehrbuch „Gradus ad Parnassum“ wird auch heute gelesen und rezipiert.

Die gute Ausbildung machte sich bezahlt. 1739 wurde er Hofkomponist, bald unterrichtete er auch die Kinder Maria Theresias; damals gehörte zum guten Klavierunterricht immer auch eine Schulung in Improvisation und etwas Kompositionslehre. Für diese Kombination war er prädestiniert. Er wirkte als Lehrer vieler aufstrebender Musiker, und andere verwendeten seine Werke zum Unterricht. So Leopold Mozart, der z.B. in Nannerls Notenbuch ein Scherzo von Wagenseil aufgenommen hat, und auch sonst Stücke des Hofkomponisten üben ließ.

Daher konnte der kleine Wolfgang Amadeus Mozart bei seinem Auftritt vor Kaiserin Maria Theresia1 ein Stück von Wagenseil vorspielen, und der Komponist selbst half dem Knaben beim Umblättern der Seiten. Auch in London spielte der kleine Mozart Musik von Wagenseil bei seinem Auftritt vor dem König.

Auf Grund fortschreitender Gicht musste Wagenseil sich 1764 aus den Hofdiensten zurückziehen, wobei er aber weiter eine großzügige Dotation erhielt. Er blieb bis zum Tode musikalisch und pädagogisch aktiv, sofern es eben seine Erkrankung zuließ.

Als Hofkomponist konnte er sein Können an einer große Bandbreite von Musikstücken beweisen, von intimen Triosonaten bis zu Opern, von der Klaviersonate bis zu 100 Symphonien2, auch Kantaten und Messen durften nicht fehlen. Leider ist der Großteil seiner Werke nie gedruckt worden. Einiges kann man hier bei IMSLP entdecken.

Zum Ausklang noch ein Streichtrio von Wagenseil, das doch ganz anders als die obige Symphonie daherkommt:


  1. Für die Besserwisser: Sie selbst ließ sich auf Inschriften nach der Kaiserkrönung ihres Gatten als Imperatrix, „Kaiserin“, bezeichnen (So z.B. auf der Umschrift des Maria-Theresien-Talers). Also dürfen wir es ruhig auch. 
  2. Die Zahl variiert je nach Beurteilung zweifelhafter bzw. zugeschriebener Symphonien. 
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