Andreas Gryphius: Ein Sonett der Verklärung


Zum Abschied des heutigen Sonntags darf ich ein Sonett des Barockdichters Andreas Gryphius einstellen, dass er für den Tag der Verklärung Jesu am Berg Tabor geschrieben hat. Da der heutige Sonntag die gleiche Evangelienstelle gebracht hat, passt es aber ebenso gut. Der Text ist eine orthographisch modernisierte Form des Sonetts, wie es sich auf zeno.org finden läßt.

Auf den Tag der Verklärung Jesu

Gleich wie das Heil der Welt, mit hellem Glanz umgeben,
Auf Tabors1 Spitze steht, wie seiner Kleider Licht
Hellstrahlende verblendt der Jünger Angesicht,
So scheint, wer Christum liebt, in neu-verklärtem Leben.

Hier schaust du Mosen nur mit dem Thesbiten2 schweben
Kaum einen Augenblick. Dort fliehn die Engel nicht;
Dort ist der Haufen der geheime Ding’ ausspricht;
Dort sind, die Gottes Ruhm mit freiem Mund erheben.

Hier hat des Himmels Fürst mit Wolken sich umdeckt,
Hier wird durch seine Stimm’ der Jünger Herz erschreckt;
Dort hört man seinen Trost, dort kann man klar Ihn schauen.

Wenn hier ein einig3 nun so fröhlich Petrum macht:
Was wird wohl ewig tun? Drum eilt ihr Leut’ und wacht,
und lasst uns fröhlich dort, nicht hier die Hütten bauen.


  1. Der Berg, auf dem die Verklärung stattgefunden hat, wird nach alter Überlieferung mit dem Berg Tabor identifiziert. 
  2. Ein Beiname des Propheten Elija, nach seiner Heimatstadt. 
  3. einig: Alter Ausdruck für einzig 
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