Die Chuzpe der Flüchtlingsfischer


Was soll man tun, wenn sich Menschen in Schlauchbooten aufs offene Meer begeben — in der Gewißheit, so rasch als möglich von Helfern auf seetaugliche Schiffe gebracht zu werden und dann in ein Land weitergeleitet zu werden, wo sie jedenfalls besser versorgt werden, als es in ihrer Heimat jemals der Fall gewesen wäre?

Die „Gewißheit“ ist freilich öfter eine trügerische. Die Seeuntauglichkeit der Boote dagegen ist sehr real. Und so ertrinken viele Menschen beim Versuch, über das Mittelmeer ins scheinbar gelobte Land Europa zu kommen.

Das Spiel, das hier von mehreren Nichtregierungsorganisationen entweder in blankem Zynismus oder grenzenloser Naivität durchgezogen wird, geht auf Kosten vieler: Derer, die sich aufgemacht haben, und dann doch im Meer ertrinken; derer, die wirklich unsere Hilfe benötigen würden, die wir stattdessen den Personen zuwenden, die um viel Geld Schlepper für einen illegalen Grenzübertritt bezahlt haben; derer, die so angelockt wurden, um notwendigerweise enttäuscht zu werden, weil auch in Europa das Geld nicht auf den Bäumen wächst. Die Liste ließe sich fortsetzen.

Österreichs Außenminister Sebastian Kurz hat zurecht gefordert, dass die Aktionen einiger NGOs, die nur mehr Menschen in den Tod führten, beendet werden müssten. Dies unter dem Eindruck eines Besuchs bei Frontex, der dem Außenminister wohl das Ausmaß der Katastrophe nähergebracht hat.

Die üblichen Verdächtigen haben sofort versucht, Kurz das Wort im Mund umzudrehen. Wie könne das Retten von Menschen ein „Wahnsinn“ sein, so beschwerte sich der Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes, Werner Kerschbaumer. Florian Klenk vom „Falter“ und viele andere unterstellten Kurz auf die eine oder andere Art, er wollen möglichst viele Menschen im Mittelmeer ertrinken lassen.

Dabei sind die Vorschläge sehr konkret: Menschen, die ohne Einreisegenehmigung über die Mittelmeerroute kommen, ähnlich wie Australien zuerst auf Inseln zu sammeln und von dort aus die Verteilung derjeniger, die in Europa Aufnahme finden können, zu organisieren. Aufnahmestationen südlich des Mittelmeers, etwa in Ägypten und Tunesien, damit berechtigterweise Flüchtende Anträge stellen können. Aktives Vorgehen gegen Schlepper, besonders ihrer Infrastruktur.

Man kann darüber diskutieren, ob diese oder andere Vorschläge besser geeignet wären, die Situation zu verbessern. Es ist aber bloße Chuzpe, wenn jemand die fortgesetzte schlepperfreundliche und menschenfeindliche Flüchtlingsfischerei im Mittelmehr als Ausbund der Humanität preist und die Suche nach Wegen, die Mittelmeerroute zu schließen, als unmoralisch brandmarkt.

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