Banken: Tut das Zauberwort „Eigenkapital“, was es soll?


Das Zauberwort, mit dem Banken krisenfest gemacht werden sollen, heißt „Eigenkapital“. Dar war auch die Stoßrichtung von „Basel III“. So müssen Banken nach den EU-Eigenkapitalvorschriften, VO 575/2013/EU und RL 2013/36/EU, mit denen Basel III in der EU umgesetzt wurde, eine harte Kernkapitalquote von 4,5%, eine Kernkapitalquote von 6%, eine Gesamtkapitalquote von 8% des risikogewichteten Forderungsbetrags sowie einen Kapitalerhaltungspuffer von 2,5% aufweisen. Zusätzlich sind antizyklische Kapitalpuffer zu halten; eine von den Mitgliedstaaten vorzugebender Systemrisikopuffer und ein Puffer für systemrelevante Institute ergänzen das Pflichtenheft. Wer sich vertiefen will: Die genauen Definitionen, was als Kernkapital, hartes Kernkapital usw. zu rechnen ist, erstrecken sich über Dutzende Artikel.

Doch haben all diese Maßnahmen überhaupt den erwünschten Effekt? Nun, den ersten Effekt einer gedrosselten Kreditvergabe hatten sie jedenfalls. Aber den zweiten Effekt, eine neuerliche Finanzkrise zu verhindern, eher nicht, wie Òscar Jordà, Björn Richter, Moritz Schularick und Alan M. Taylor in der Arbeit „Bank Capital Redux: Solvency, Liquidity, and Crisis“ darlegen. (Bei der Federal Reserve Bank of San Francisco in einer Vorversion ohne Schranke zu lesen.)

Rasches Kreditwachstum als Warnsignal

Die vier Autoren haben die Daten über die Passiva der Banken in siebzehn Ländern in einer Längsschnittstudie über 143 Jahre hinweg verglichen. Dabei entdecken sie keinen Zusammenhang zwischen der Höhe der Eigenkapitalquoten und dem Risiko systemischer Finanzkrisen.

Stattdessen waren ein beschleunigtes Kreditwachstum, die Bedeutung großer Kreditgeber für die Finanzierung einer Bank, und das Verhältnis von Krediten zu Einlagen gute Indikatoren für kommende Finanzkrisen. Besonders das Kreditwachstum — ein Befund, der in der Literatur schon länger gemacht wird.

Es gibt natürlich auch gute Argumente dafür, warum die Eigenkapitalquoten vorher wenig aussagen: Weil ein höherer Kapitalpuffer z.B. auch Ausdruck größerer Risken bei den Aktiva sein kann, oder geringeren Vertrauens in die Tüchtigkeit der Geschäftsführung. So oder so verlangen die Geschäftspartner einen höheren Kapitaleinsatz durch den Eigentümer.

In der Krise macht sich Eigenkapital bezahlt

In der Finanzkrise macht sich aber Eigenkapital bezahlt, da mangelndes Eigenkapital Notverkäufe von Anlagen wahrscheinlicher macht und die Fähigkeit der Banken reduziert, selbst durch Kreditvergabe oder -streckung die Wirkungen der Krise zu glätten.

Die Höhe des Bank-Eigenkapitals zu Beginn einer Krise hat in der Studie eine signifikante Auswirkungen auf die wirtschaftliche Erholung.

Einen Haken hat die Sache: Die Eigenkapitalquoten waren zu Beginn der Zeitreihen wesentlich höher und haben sich erst mit Ende des Zweiten Weltkriegs in einem gleichbleibenden Korridor eingependelt. Es könnte sein, dass die dynamische Wirtschaftswelt der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg die Ergebnisse verfälscht, da damals (1) die Eigenkapitalquoten hoch waren, es (2) immer wieder Finanzkrisen gab, die aber (3) im allgemeinen technischen und wirtschaftlichen Aufschwung bald wieder überwunden waren.

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