Die Jungen Grünen zwingen zum Offenbarungseid


Die Geschichte der verschiedenen Jugendorganisationen der Grünen in Österreich war schon früher sehr turbulent. So wurde 2001 die Bundesorganisation der „Grünalternativen Jugend“ aufgelöst und in der Folge aus Landesgruppen eine Bundesplattform geschaffen. Es bildeten sich „Junge Grüne“, die Stück für Stück die GAJ ablösen sollte, wobei man auch vor der Auflösung von GAJ-Landesgruppen nicht zurückschreckte. Nun werden also wiederum die „Jungen Grünen“ zumindest von den Grünen abgeschalten werden, weil sie bei den ÖH-Wahlen an mehreren Standorten eine alternative Liste zur Partei-eigenen GRAS unterstützen wollen, und sollen wohl durch eine neue Jugendorganisation ersetzt werden.

In all dem zeigte sich wiederholt, dass Anspruch und Wirklichkeit bei den Grünen weit auseinanderklaffen. Man sieht sich als tolerante, demokratische und kritikfähige Bewegung. Tatsächlich sind SPÖ und ÖVP erwiesenermaßen weitaus toleranter, was die diversen Auffälligkeiten ihrer Jugendorganisationen betrifft. Wenn etwa das Unterstützen neuer ÖH-Fraktionen ein Ausschlussgrund bei der ÖVP wäre, hätte es in den Siebziger bis Neunziger Jahren reihenweise Ausschlüsse geben müssen, als sich die Gunst der JVPler auf bis zu vier Fraktionen verteilt hatte. Und die SJ hat die eigene Parteispitze immer wieder hart kritisiert, einschließlich Rücktrittsforderungen, ohne besondere Repressalien erleiden zu müssen. Das ist das Vorrecht der Jugend — schließlich sind diese Protestposen in der Regel auch ungefährlich.

Jetzt haben die Jungen Grünen die Parteispitze zum Offenbarungseid gezwungen, ob sie ihrer Jugend die gleichen Freiräume wie in anderen Parteien einräumen oder ähnlich wie die FPÖ auf jede Kritik mit Amtsenthebungen und Ausschlüssen reagieren. Wobei selbst die FPÖ wohl so einen Konflikt leiser gelöst hätte.

Natürlich spielen persönliche Befindlichkeiten eine große Rolle. So hat der burgenländische EU-Abgeordnete Michel Reimon natürlich die Chance genutzt, mit der Vorsitzenden der Jungen Grünen, Flora Petrik, gleichzeitig die Tochter der burgenländischen Landessprecherin der Grünen zu attackieren.

Doch scheint die Grüne Bundesspitze schon im Vorfeld der öffentlichen Eskalation intern eskaliert zu haben und überschießende Drohungen ausgesprochen zu haben, um jede Abweichung zu verhindern. So geht man nicht miteinander um, erst recht nicht, wenn man sich selbst für demokratisch und tolerant hält.

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