100 Jahre Kriegseintritt der USA in den Ersten Weltkrieg


Neues 8-Uhr-Blatt: Krieg mit Amerika

Neues 8-Uhr-Blatt: Krieg mit Amerika

Heute vor 100 Jahren, am Karfreitag des Jahres 1917, haben die USA dem Deutschen Reich den Krieg erklärt und damit den Ersten Weltkrieg entschieden. 1916 war Woodrow Wilson noch unter dem Motto „He kept us out of war“ gewählt worden, als Garant für den Frieden.

„Geld ist die schlimmste aller Kontrebande“

Doch waren die USA schon vor ihrem Kriegseintritt ein wichtiger Partner der Entente. So wurden Großbritanniens Einschränkung des Handels mit Deutschland akzeptiert, während Großbritannien uneingeschränkt beliefert wurde. Auch gestattete Wilson Kredite an kriegsführende Staaten, wovon in erster Linie Großbritannien profitierte. Dabei handelte er 1914 gegen die ausdrücklichen Befürchtungen seines damaligen Außenministers William Jennings Bryan, der sagte: „Geld ist die schlimmste aller Kontrebande1, weil es alles andere befehligt.“

So war es auch: Großkredite an Frankreich und Großbritannien erhöhten das Interesse der USA an einem Sieg der Entente gegen die Mittelmächte. Dieser Zusammenhang war so offensichtlich, dass man ihn beispielsweise in der „Reichspost“ vom 7. April 1917 nachlesen kann:

„So sieht also die Gelegenheit aus, die erforderlich ist, damit ein sich ultrapazifistisch geberdender [!] Staat, der sich feierlich verpflichtet hat, alle Streitigkeiten mit anderen Mächten nur auf schiedsgerichtlichem Wege auszutragen, die ‚ganze Kraft der Nation‘ in einen Krieg werfe, an dessen Ausgang er nur als Lieferant der einen Partei Interesse hat. […] Das amerikanische Kapital braucht den Sieg des Vierverbandes, seines Schuldners, für den es sich mit riesigen Beträgen festgelegt hat. Die unmittelbare finanzielle Unterstützung des Vierverbands durch Amerika soll bereits mehr als fünfundzwanzig Milliarden Kronen betragen […]. Diese Summen sind zum größten Teil verloren, wenn der Vierverband unterliegt und ebenso befürchten die Amerikaner in diesem Fall auch eine schwere Unterbindung ihrer wirtschaftlichen Entwicklung, da eine Reihe der besten Abnehmer der amerikanischen Produkte bei einem Zusammenbruch des Vierverbands mit einem Male ausscheiden würden.“

Zwei entscheidende Fehler

Freilich hatte das Deutsche Reich selbst zwei entscheidende Fehler gemacht: Das sogenannte „Zimmermann-Telegramm“, in dem Deutschland Mexiko eine Allianz gegen die USA vorschlägt, sollten die USA in den Krieg eintreten. Nun war Mexiko aber überhaupt nicht in der Lage, die USA ernsthaft bedrohen. Erst kurz zuvor war eine US-Strafexpedition in das von Bürgerkriegen geschwächte Land ungehindert eingedrungen. Das einzige Ergebnis war eine empörte amerikanische Öffentlichkeit.

Der zweite betraf den sogenannten „uneingeschränkten“ U-Boot-Krieg, bei dem der zusätzliche Nutzen die politischen Kosten bei weitem übertraf. Nicht nur, dass er der US-Führung einen Vorwand zum Kriegseintritt gab, hatte er auch bei weitem nicht den gewünschten Effekt, die Versorgung Großbritanniens entscheidend zu behindern.

Woodrow Wilsons Kriegspräsidentschaft wird in den USA heute kritischer gesehen. Bei aller verständlicher Bewunderung für die Opfer und Erfolge des eigenes Landes wird bemerkt, dass Wilson den Krieg innenpolitisch als Vorwand benutzt hat, um weitreichende Eingriffe des Staates in Wirtschaft und Gesellschaft durchzuführen. Tausende wurden interniert, ein aggressive Stimmung gegen Immigranten, insbesondere solche mit deutschen Wurzeln, geschürt, die Meinungsfreiheit drastisch eingeschränkt.

Es ist kein Wunder, dass Wilsons Demokraten die Wahlen 1920 haushoch verloren haben: Der demokratische Präsidentschaftskandidat James M. Cox erhielt nur 34,2% der Stimmen, im Repräsentantenhaus verfügten sie nur noch über 131 der 435 Sitze.

Doch wenn das der Preis war, der für Wilsons Politik zu zahlen war, so konnte Wilson doch dafür der Ordnung der ganzen Welt seinen Stempel aufdrücken.


  1. Bezeichnung für den Schmuggel verbotener Güter an kriegsführende Parteien über den Seeweg; auch für die Schmuggelwaren selbst. 
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